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Borreliose

Einführung
Bei der Borreliose handelt es sich um eine durch Bakterien verursachte Infektionserkrankung. Die Erkrankung ist nach der auslösenden Bakterienart "Borrelia burgdorferi" benannt. Die Übertragung der Borreliose erfolgt in der Regel durch infizierte Zecken. Mit Borrelien infizierte Zecken gibt es in großen Teilen Europas und in allen Bundesländern.

Die Borreliose kann verschiedene Organe des Körpers befallen, zum Beispiel Haut, Nervensystem und Herz. Ist das Nervensystem befallen, spricht man von einer Neuroborreliose. Die Erkrankung verläuft in verschiedenen Stadien, die sich über Monate bis Jahre erstrecken können. 

Die Lyme-Borreliose oder Lyme-Krankheit ist eine multisystemische Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Borrelia burgdorferi oder verwandte Arten aus der Gruppe der Spirochäten ausgelöst wird. Die Krankheit kann jedes Organ befallen, speziell das Nervensystem und die Gelenke. Die Erkrankung kommt beim Menschen und allen Säugetieren sowie Vögel vor. Die Übertragung erfolgt vor allem durch den Holzbock (Ixodes ricinus), eine Zeckenart.

Die Zecke ist gerade in Süddeutschland weit verbreitet und kann Borreliose auslösen.

Symptome

Bei der Borreliose zeigen sich verschiedene Symptome. Die Beschwerden sind vielfältig und können verschiedene Organe teilweise gleichzeitig befallen. Man unterscheidet drei Stadien der Erkrankung.

Infiziert sich der Betroffene durch einen Zeckenstich mit der Bakterienart Borrelia burgdorferi, kann nach wenigen Tagen und Wochen eine ringförmige, rote Hauterscheinung auftreten, deren Größe von Fall zu Fall stark variieren kann (von etwa handtellergroß bis zu einem Durchmesser von 65 cm). Diese sogenannte Wanderröte (Erythema migrans/Erythema chronicum migrans) ist scharf abgegrenzt, und schmerzt nicht. In ihrer Mitte ist sie oft aufgehellt. Die Wanderröte breitet sich allmählich von der Zeckenstichstelle aus und verschwindet meist spontan wieder. In manchen Fällen tritt die Wanderröte auch immer wieder auf, dann aber oft nicht mit dem kompletten Ring, sondern nur mit Abschnitten. Die Wanderröte ist für die Borreliose so typisch, dass Ärzte anhand des Anblicks ziemlich sicher andere Erkrankungen ausschließen können.

Die Wanderröte sollte nicht mit der harmlosen und häufigen Rötung verwechselt werden, die sich oft direkt an der Stelle des Zeckenstichs bildet und circa ein bis zwei Zentimeter groß ist. Diese harmlose Rötung juckt meist stark und verschwindet nach einigen Tagen oder spätestens einer Woche wieder. Zudem fehlen die Anzeichen einer Infektion.

Im Borreliose-Stadium I können außerdem allgemeine Beschwerden auftreten, wie:

  • Schwäche
  • Kopf-, Gelenk- oder Gliederschmerzen 
  • Fieber
  • Bindehautentzündung

Das Borreliose-Stadium II tritt wenige Monate nach dem Zeckenstich auf. Während des zweiten Stadiums kommt es oft zu grippeähnlichen Symptomen. Die Infektion betrifft außerdem nun neben der Haut auch weitere Organe. Erkrankt das Nervensystem, spricht man von einer Neuroborreliose. Die Beteiligung des Nervensystems verläuft in Form einer Hirnhaut- und Nervenwurzelentzündung (sog. Meningopolyneuritis oder Bujadoux-Bannwarth-Syndrom). Es können von den Nerven im Rückenmark ausgehende Schmerzen, Lähmungen und neurologische Ausfälle auftreten. In den meisten Fällen ist nur ein einzelner Nerv entzündet (periphere Neuropathie). Die Entzündung kann zum Beispiel den Gesichtsnerv lähmen. Ein typisches Symptom für eine solche Lähmung (Fazialisparese) ist ein einseitig herabhängender Mundwinkel.

Das Stadium III der Borreliose tritt Monate bis Jahre nach dem Zeckenstich ein. Dieses sehr schwere Borreliose-Stadium ist unter anderem durch die sogenannte Lyme-Arthritis und eine weitere Beteiligung des Nervensystems gekennzeichnet. Bei der Lyme-Arthritis handelt es sich um eine schubweise oder chronisch verlaufende Gelenkentzündung. Auch die Nerven können Schaden nehmen. Nur selten jedoch verläuft das Stadium III der Borreliose so schwer, dass Teile des Körpers gelähmt sind (Paresen).

Quellen: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Neuroborreliose.

Behandlung
Der Verdacht auf Borreliose ergibt sich häufig gleich zu Beginn einer Untersuchung, wenn die Krankengeschichte und der Befund (z.B. Wanderröte und akute Neuroborreliose) sehr typisch sind.

Der Nachweis von Antikörpern im Blut kann zeigen, dass sich das Abwehrsystem des Körpers mit den Erregern auseinandergesetzt hat. Bei einer Borrelien-Infektion liegen Antikörper gegen die Bakterienart "Borrelia burgdorferi" im Blut vor.

Neben dem Antikörpernachweis im Blut kann der Arzt nach Antikörpern im Hirnwasser (Liquor) suchen. Dies bietet sich an, wenn das Gehirn oder das Rückenmark von der Borreliose betroffen sind (Neuroborreliose). Besteht der Verdacht auf eine solche Neuroborreliose, entnimmt der Arzt daher Hirnwasser über eine Punktion (Liquorpunktion). Um die Flüssigkeit zu gewinnen, sticht der Arzt im Bereich der Lendenwirbelsäule zwischen zwei Wirbeln mit einer langen Nadel ein. Er schiebt diese Nadel vorsichtig soweit vor, bis er die Flüssigkeit erreicht, die das Rückenmark umgibt. Dort entnimmt er kleine Mengen des Hirnwassers.

Je früher bei einer Borreliose die Therapie einsetzt, umso sicherer kann sie spätere Komplikationen und schwere Krankheitsverläufe verhindern.

In der Frühphase der Borreliose ist eine zweiwöchige Antibiotika-Therapie am wirksamsten. Je nach Patientenalter, Konstitution und Verträglichkeit bieten sich verschiedene Präparate an. In fortgeschrittenen Borreliose-Stadien und bei Neuroborreliose kommen unter anderem Antibiotika aus der Wirkstoffgruppe der Cephalosporine (z.B. Cefotaxim) zum Einsatz und werden vom Arzt intravenös verabreicht.

Eine Übertragung der Borreliose-Bakterien von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Daher sind keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen beim Kontakt mit erkrankten Personen erforderlich.

Der Nachweis von Antikörpern im Blut kann zeigen, dass sich das Abwehrsystem des Körpers mit den Erregern auseinandergesetzt hat. Bei einer Borrelien-Infektion liegen Antikörper gegen die Bakterienart "Borrelia burgdorferi" im Blut vor.

Schutz vor Zecken

Schutz vor Zeckenstichen

Da eine Impfung nur gegen FSME, nicht aber gegen Borreliose möglich ist, sollten Sie Zeckenstiche nach Möglichkeit vermeiden:

  • Bleiben Sie bei Spaziergängen möglichst auf festen Wegen und meiden Sie Unterholz, hohes Gras und Hautkontakt zu bodennahen Pflanzen.
  • Ziehen Sie sich und Ihrem Kind beim Aufenthalt in möglichen Zeckengebieten feste Schuhe an.
  • Achten Sie auf helle Kleidung, die den Körper weitestgehend bedeckt. Hierauf lassen sich die Zecken leichter auffinden.
  • Suchen Sie nach dem Aufenthalt in möglichen Zeckengebieten vor allem bei Kindern den Körper sorgfältig nach Zecken ab: Bevorzugte Saugstellen sind am Kopf und am Hals sowie unter den Armen, zwischen den Beinen und in den Kniekehlen.

Hinweis: Es gibt auch synthetische oder natürliche Stoffe, die durch ihren Geruch Zecken fernhalten. Diese sogenannten Repellentien sind in Drogeriemärkten und Apotheken frei erhältlich. Sie werden auf die Haut aufgetragen und können für einen kurzen Zeitraum von einigen Stunden einen gewissen Schutz bieten.

Für Haustiere gibt es unter anderem Zeckenhalsbänder, die jedoch auch nur zeitlich begrenzt schützen.

Zecken richtig entfernen

Zecken sollten möglichst sofort entfernt werden. Die FSME-Viren befinden sich in den Speicheldrüsen der Zecken. Durch den Stich können sie rasch in die Blutbahn des Wirtes gelangen. Anders die Borrelien: Sie befinden sich im Darm der Zecken, sodass die Erreger erst bei längerem Saugen - in der Regel erst nach circa 24 Stunden - übertragen werden. Wird die Zecke rasch entfernt, ist das Übertragungsrisiko der Borreliose-Erreger sehr gering.

  • Entfernen Sie die Zecke am besten mit einer speziellen Zeckenpinzette.
  • Fassen sie die Zecke im Kopfbereich so nah wie möglich an der Haut.
  • Ziehen Sie die Zecke vorsichtig und mit gleichmäßigem Zug gerade heraus.
  • Achten Sie darauf, dass die Zecke nicht gequetscht wird. Hierdurch könnte mit Krankheitserregern infizierter Speichel oder Darminhalt vermehrt oder schneller übertragen werden.
  • Bedecken Sie die Zecke keinesfalls mit Öl, Klebstoff oder Nagellack. Auch dies erhöht das Risiko einer vermehrten oder beschleunigten Übertragung von Krankheitserregern.
  • Desinfizieren Sie die Wunde nach Entfernen der Zecke sorgfältig und lassen Sie die Einstichstelle gegebenenfalls von Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin untersuchen.
  • Eine Borreliose kann durch die rechtzeitige Gabe von Antibiotika in der Regel wirksam behandelt werden. Suchen Sie auf jeden Fall die kinderärztliche Praxis auf, wenn Ihr Kind nach einem Zeckenbiss allgemeine Krankheitszeichen wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Abgeschlagenheit zeigt. Charakteristisch für eine Borrelien-Infektion ist daneben in etwa 90 Prozent der Fälle die sogenannte Wanderröte, eine sich ringförmig ausbreitende Rötung mit blassem Mittelfeld, die an der Einstichstelle, aber auch an anderen Körperstellen auftreten kann.

In Apotheken und Drogerien finden Sie eine Vielzahl von Zeckenzangen und Pinzetten, mit denen es leicht möglich ist Zecken zu entfernen.

Interview
Interview mit Prof. Dr. Christof Klötzsch

"Je früher Borreliose behandelt wird, desto besser"

Schätzungsweise 60.000 bis 100.000 Borreliose-Neuerkrankungen gibt es bundesweit jedes Jahr - der Süden Deutschlands gilt dabei als Hochrisikogebiet für eine Infektion. Prof. Dr. Christof Klötzsch ist Spezialist für die Erkrankung - er berichtet, was die Diagnose so schwierig macht und wie man sich schützen kann.

Prof. Dr. Klötzsch, was passiert bei einer Borreliose-Infektion und in welcher Form sind mit dem Borreliose-Erreger infizierte Menschen betroffen?

Klötzsch: Der Borrelienerreger kann beim Stich durch eine Zecke übertragen werden. Da die Borrelien im Darm der Zecke vorkommen, kann es nach dem Anhaften einer Zecke 16-24 Std. dauern, bis die Bakterien tatsächlich auf den Menschen übertragen werden. Einmal im Körper, kann es bei neurologischen Krankheitsverläufen zu Entzündungen der Hirnhaut, des Rückenmarks, der peripheren Nerven oder auch des Gehirns kommen. Selten können durch eine begleitende Gefäßentzündung (Vaskulitis) auch Schlaganfälle bei (jungen) Patienten ausgelöst werden. Außerhalb der Nervensystems zeigen sich auch Symptome an Haut, Gelenken und am Herzen.

Wie erfolgt die Diagnose?

Klötzsch: Die Borreliose kann sich an sehr unterschiedlichen Organsystemen bemerkbar machen. Das erschwert wiederum die korrekte Diagnosestellung. Ein charakteristisches Kriterium ist die sogenannte „Wanderröte“, die sich Tage nach der Infektion rund um die Einstichstelle entwickeln kann. Die übrigen Symptome können allesamt auch auf andere Krankheiten hindeuten – deshalb kann es manchmal dauern, bis eine Borreliose diagnostiziert wird. Für Betroffene kann die ergebnislose Suche bei unklaren körperlichen Beschwerden belastend sein. Einmal auf der richtigen Spur, sind die Borrelien mit modernen Laborverfahren dann aber zuverlässig im Körper nachweisbar. Antikörperuntersuchungen der Rückenmarksflüssigkeit („Liquor“) erlauben eine sichere Diagnose und eine sofortige Behandlung kann erfolgen. Leider werden von Laboren auch Tests („LTT“: Lymphozytentransformations-Test) angeboten, die die Patienten selbst zahlen müssen und die dann auch noch häufig falsch-positive Borrelien-Testergebnisse liefern. Davor kann nur gewarnt werden.

Gegen die Erkrankung gibt es keine Impfung – wie wird Borreliose behandelt?

Klötzsch: Borreliose ist eine bakterielle Erkrankung und der Erreger lässt sich sehr gut mit geeigneten Antibiotika behandeln. Bei leichteren Formen geht das direkt mit Antibiotika in Tablettenform, bei Beteiligung des Nervensystems wird ein Antibiotikum über 2-3 Wochen intravenös verabreicht. Generell gilt: Je früher behandelt wird, desto besser. Aber auch wenn die Borrelien schon lange im Körper waren, können sie mit einer Antibiotika-Behandlung auch noch nach Jahren abgetötet werden. Die schon vorher entstanden Nervenschäden sind allerdings oft nicht mehr reversibel. Chronische Neuroborreliosen, die nicht auf eine Antibiotikagabe ansprechen, gelten auch nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie als unbewiesen. Immer muss jedoch an die Möglichkeit gedacht werden, dass man sich durch den nächsten Zeckenstich erneut infizieren kann.

Wie kann man sich vor Borreliose schützen?

Klötzsch: Leider gibt es im Gegensatz zu Frühsommermeningoenzephalitis (FSME), die ebenfalls durch Zecken übertragen wird, noch keine Impfung gegen Borreliose. Allerdings können Sie sich schützen, indem Sie bei Aufenthalt in Garten, Parkanlagen oder Wäldern bedeckende Kleidung tragen und Repellents verwenden. Darüber hinaus sollte man in Risikogebieten wie Süd- und Ostdeutschland sich nach der Rückkehr aus der Natur gründlich auf Zecken absuchen. Wenn Sie eine Zecke finden, können Sie diese mit einer Zeckenzange vorsichtig und vollständig entfernen. In Süddeutschland ist schätzungsweise jede 4. Zecke Träger des Borreliose-Erregers, aber glücklicherweise entwickeln nur 3% der Menschen eine Neuroborreliose. Beobachten Sie die Einstichstelle über die nächsten Tage und Wochen – wenn sie rot wird oder Sie plötzlich Grippe ähnliche Symptome entwickeln sollten, gehen Sie einen Arzt aufsuchen. Wer sich das selbstständige Entfernen nicht zutraut, sollte direkt zum Arzt gehen – dieser kann die Zecke sachgerecht entfernen.

Ärztliche Leitung Akutneurologie
Prof. Dr. med. Christof Klötzsch

Patientengeschichte

Der nachfolgend geschilderte Fall einer 71-jährigen Patientin macht deutlich, wie vielgestaltig sich eine Neuroborreliose klinisch äußern kann: Die Patientin klagte über seit Wochen zunehmende ringförmige Bauchschmerzen und war in einem auswärtigen Krankhaus ausführlich hinsichtlich einer Magendarm-Erkrankung einschließlich Magen-/Darmspiegelung untersucht worden. Auch ein Bandscheibenvorfall der Brustwirbelsäule war kernspintomographisch ausgeschlossen worden.

Eine Liquoruntersuchung bei uns hatte dann eine deutliche Zellzahlerhöhung als ersten Hinweis für eine entzündliche Ursache gezeigt. Im weiteren Verlauf konnten massiv erhöhte Antikörper gegen Borrelien im Liquor nachgewiesen werden, die im Verhältnis viel höher als im Blut waren. Dies war die typische Befundkonstellation einer Nervenwurzelentzündung bei Neuroborreliose. Nach einer 14-tägigen Antibiotika-Infusionsbehandlung bildeten sich die Schmerzen bei der Patientin vollständig zurück.

Links

Weitere Informationen finden Sie auf folgenden Portalen:

Robert-Koch-Institut

Weitere Informationen finden Sie auf den Service-Seiten des Robert-Koch-Instituts in Berlin, wo Ihnen auch viele Dateien zum Download bereit stehen: Hinweise FSME und Borreliose (RKI)