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Neuropsychologie

Funktionelle Neuroanatomie

Die Neuroanatomie beschreibt den Aufbau des Nervensystems. Angefangen vom Aufbau des Gehirns mit seinen Hirnwindungen, Hirnhäuten bis hin zum Rückenmark und den Spinalnerven. Im zweitägigen Kurs geht es für die Teilnehmer um eine Vertiefung ihrer Kenntnisse in der strukturellen Neuroanatomie. Im ersten Teil des Kurses war es vor allem wichtig, das Wissen um die verschiedenen Hirnwindungen (Gyri) und Furchen (Sulci) zu vertiefen, um in der zweiten Hälfte CCT- und cMRT-Bilder auswerten zu können. Dozent Dr. Thomas Hassa, der seit 1997 in der Neurorehabilitation an den Kliniken Schmieder tätig ist, passt die Schwerpunktsetzung in seinen Kursen an die jeweilige Berufsgruppe an. Für die Neuropsychologen liegt der Fokus auf den Systemen und Syndromen der Wahrnehmung und Aufmerksamkeit. Er selbst beschäftigt sich seit 2005 in einer erweiterten wissenschaftlichen Tätigkeit mit den Themen Neglect, motorisches System, Spiegelneuronen und Konversionsstörungen.

Der Kurs startet mit einer Vorstellungsrunde der Teilnehmer. Die Teilnehmer schildern in Kürze ihr berufliches Tätigkeitsfeld und ihre Wünsche und Erwartungen, die sie an den Kurs haben. Den meisten Neuropsychologen ist es wichtig, ihre Kenntnisse in der Anatomie des Gehirns aufzufrischen. Ein Teilnehmer aus Bayreuth erhofft sich durch den Kurs, seine Diagnostik noch besser auf die Patienten abstimmen zu können.  

Nach einer kurzen Hinführung, wie sich das menschliche Gehirn und Nervensystem entwickelt hat, durchstreift Dr. Hassa nahezu alle Strukturen des Gehirns und des Nervensystems. Der thematische Schwerpunkt liegt zunächst auf dem Aufbau der Großhirnrinde (Cortex) mit seinen verschiedenen Lappen und Faltungen. Immer wieder werden im Laufe des Kurses diese Strukturen wiederholt, denn sie sind essentiell, um sich später auf den CCT- und cMRT-Bildern zu Recht zu finden. Nur durch die Kenntnis dieser Strukturen ist es möglich, Schlaganfälle (Ischämien und Blutungen) im Gehirn richtig zu lokalisieren. Neben der Großhirnrinde werden auch weitere Hirnstrukturen wie z.B. der Hirnstamm, das Kleinhirn oder Mittelhirn vorgestellt, in denen Schlaganfälle auftreten können. Der theoretische Teil wird immer wieder durch ein kleines Video oder Quiz aufgelockert, bei dem die Teilnehmer ihr gelerntes Wissen testen können. Schon im Laufe des ersten Kurstages ist es den Neuropsychologen mit Hilfe des Dozenten möglich, die verschiedenen Areale und Bereiche des Gehirns zu erkennen.

"Ziel des Kurses ist es, dass Sie ohne ärztliche Hilfe die Läsionsgebiete auf den MRT- und CT-Bildern erkennen und benennen können."

Dr. Thomas Hassa, Dozent


Am zweiten Tag müssen die Kursteilnehmer nicht nur erkennen, wo im Gehirn sich der Schlaganfall befindet, sondern sie lernen auch zwischen einer Blutung oder Ischämie zu unterscheiden. Jeder Teilnehmer erhält darüber hinaus vom Dozenten einen Computerstick, mit dem er zu Hause an weiteren MRT-Aufnahmen üben kann. Nachmittags geht es weiter mit den basalen Systemen. Es geht um die visuelle, akustische und sensible Verarbeitung von Reizen und um komplexe neuropsychologische Funktionen. Angefangen bei der Wahrnehmung über Handlungsplanung bis hin zu Gedächtnis, Sprachverarbeitung und Emotionsverarbeitung. Die Korrelation zwischen den Läsionsorten und den klinischen neuropsychologischen Syndromen wie exekutive Störungen, Hemianopsie, Neglect und Apraxien wird für die Teilnehmer nun ersichtlicher. Dr. Hassa schafft es durch ausgewählte Fallbeispiele die Theorie mit der Praxis zu verbinden. Trotz vieler theoretischer Fakten sind die beiden Tage kurzweilig. Selbst als Dr. Hassa offiziell den Kurs beendet hat, stellt sich noch eine kleine Diskussionsrunde ein, in der persönliche Erfahrungen aus dem Klinikalltag ausgetauscht werden.

Alle Kursteilnehmer sind sich einig, dass sie im Kurs viel gelernt haben. Sie können nicht nur Läsionsorte auf den cMRT- und CCT- Bildern erkennen, sondern sind auch durch die Wiederholung der Hirnareale und deren Funktionen schneller in der Lage, die auftretende klinische Symptomatik mit dem entsprechenden Läsionsort abzugleichen.