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Aufgabenorientierte Therapie

Posturale Kontrolle

Posturale Kontrolle ist die Basis richtigen Sitzens, problemlosen Gehens und sicheren Stehens. Doch was bedeutet posturale Kontrolle eigentlich? „Postural kommt vom  englischen „posture“, der Haltung, also Haltungskontrolle. Haltung ist aber etwas sehr statisches, daher ist die Bezeichnung Gleichgewichtskontrolle passender, die aus Haltung und Bewegung besteht“, erklärt Martin Huber den Teilnehmern des ZENITH-Kurses, in dem zwei Tage lang genau darauf das Augenmerk gerichtet wird.

Der Dozent veranschaulicht zu Beginn des Kurses im Otto-Dix-Saal der Kliniken Schmieder in Allensbach die theoretischen und wissenschaftlichen Hintergründe zum Thema Gleichgewicht und typische Störungen, die auftreten können. Später widmet er sich dem Befund, der sich aus verschiedenen Tests und deren Interpretation zusammensetzt und an den sich eine spezifische, evidenzorientierte Behandlung anschließt – der Startschuss für den praxisorientierten Teil des Tages. Die neun Teilnehmer des Kurses, fünf Physio- und vier Ergotherapeutinnen, bekommen die Aufgabe, Fallbeispiele praktisch zu bearbeiten: sich gegenseitig anzulehnen, loszulassen, das eigene Gleichgewicht zu analysieren.

Im Anschluss wird gemeinsam mit einem Schlaganfall-Patient, dessen linke Körperhälfte funktionsgemindert ist, das Erlernte geübt. Der Kursleiter stellt dem Patienten einige Fragen zu Alltagssituationen, fragt nach Stürzen und Gehschwierigkeiten. Er fordert den Patienten auf zu gehen, zu stehen, auf einem Bein zu stehen, die Augen zu schließen. Er testet dessen Oberflächensensibilität am Fuß. Gemeinsam mit den Teilnehmern werden die Beobachtungen notiert und anschließend besprochen. Wo liegen die Stärken des Patienten, wo hat er seine Schwierigkeiten und wo könnten die Gründe für seine Instabilität liegen?

"Ich wollte einen Fortbildungskurs machen, in dem viel praktisch gearbeitet wird."

Diana Baumert, Kursteilnehmerin

Anschließend dürfen die Teilnehmer das soeben Gelernte umgehend in die Tat umsetzen: Weitere Patienten haben sich freiwillig gemeldet und werden nun in Zweiergruppen verschiedenen Tests unterzogen und die Ergebnisse analysiert. Konzentriert beobachten die Kursteilnehmer die Schritte ihres Patienten, der quer durch den Raum geht. Er dreht sich, er winkt und lacht. Das Laufen bereitet ihm immer weniger Schwierigkeiten. Doch wie sieht seine Stabilität wohl im Einbeinstand aus? Es wird notiert, beraten, diskutiert und analysiert.

Der nächste Kurstag startet mit Anwendungsbeispielen aus der Therapie verschiedener Störungen posturaler Kontrolle und der Systematik zur Behandlung von Gleichgewichtsproblemen. Anschließend werden wieder mit demselben Patienten vom Vortag, dessen Befund ausgewertet wurde, verschiedene Übungen gemacht. Eines seiner Ziele ist es, in der Natur wieder über Stock und Stein gehen zu können. Die Behandlung orientiert sich an den Zielen des Patienten, sodass nun verschiedene unebene, schiefe und wackelige Unterlagen ausprobiert werden, um eine optimale Therapie zu erarbeiten, die in Zukunft den Gleichgewichtsverlust verhindern soll. Auch der posturalen Kontrolle im Sitzen, die vor allem in der Ergotherapie relevant ist, wird Zeit eingeräumt und von Martin Huber ausführlich erklärt, welche evidenzbasierten Behandlungsansätze und deren praktische Anwendung in Betracht kommen könnten.

Das Resümmee der Kursteilnehmer fällt sehr postiv aus. Diana Baumert arbeitet in einer Schweizer Praxis und sagt: „Ich wollte einen Fortbildungskurs machen, in dem viel praktisch gearbeitet wird.“ Sport- und Physiotherapeutin Aida Sehle schätzt an dem Kurs vor allem den gegenseitigen Austausch und das Wissen des Dozenten: „Man hat gar keine Zeit über alles ständig zu lesen, so dass ein solcher Kurs eine gute Gelegenheit ist, sozusagen ein Update zu bekommen. Die Referenten sind bestens informiert, was es Neues auf dem jeweiligen Gebiet gibt, sodass man als Teilnehmer ein aktuelles „package“ bekommt.“

Bildergalerie: ZENITH-Kurs