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Moderne Ansätze in der Motorischen Therapie

Schwerpunkt obere Extremität

Im Therapieraum der Kliniken Schmieder in Allensbach herrscht reges Treiben. Aufmunternde Worte, Lachen, Schulterklopfen. In kleinen Gruppen werden einzelne Patienten an verschiedenen Geräten betreut: Ein Patient wischt mit seinem beeinträchtigten Arm, der von einem Armeo-Gerät unterstützt wird, einen virtuellen Herd ab; eine Patienten sitzt an einem Tisch, auf dem zwischen ihren Armen ein Spiegel steht. Sie übt Bewegungen, bei denen sie von Silvia Koch, einer Schweizer Therapeutin und Teilnehmerin des ZENITH-Kurses betreut wird, in dem es um die Verbesserung der oberen Extremität geht. Ein Schwerpunt davon ist die Spiegeltherapie, in der die Ergotherapeutin nun ihrer Patientin erklärt, warum der geschädigte linke Arm aktiviert wird, wenn sie den gesunden rechten anhebt. Und dann heißt es Üben, Üben, Üben.

Zu dem zweitägigen Wochenendkurs kamen dreizehn Teilnehmer an den Bodensee, um sich in den Therapieverfahren für Patienten mit Armparesen weiterzubilden. Es sind vor allem Ergo- und Physiotherapeuten, die aus Kliniken, Rehabilitationseinrichtungen und Praxen kommen. Ihr Referent Helmut Krause erklärt zu Beginn des Kurses wie das Training mit den Patienten gestaltet wird, berichtet über die theoretischen Grundlagen und die Evidenzlage verschiedener Konzepte. Außerdem werden Grundregeln des motorischen Lernens gemeinsam im Kurs besprochen und es wird beschrieben wie "Greifen" funktioniert, wie eine komplexe Bewegung abläuft und welche Systeme daran beteiligt sind.

"Man sollte trotz aller erlernter Methoden nie vergessen, dass der Patient im Mittelpunkt steht."

Harald Krause, Kursdozent

Nach der Theorie kommt die Praxis. Nun gilt es zu testen, auf welchem Stand die Patienten sind, welche motorischen Probleme sie haben, die Sensibilität ihrer Hände und Arme zu prüfen und danach individuell angepasste Behandlungsmethoden auszuarbeiten. Dafür stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: CIMT, gerätegestützte Therapie, Elektrostimulation oder auch das Alltagstraining. Dem Dozenten ist es besonders wichtig, dass sich jeder Teilnehmer zwar auf belegte Daten stützt, dabei aber auch eine eigene Haltung zur Therapie und sich selbst als Therapeuten einnimmt. "Die Kollegen sollten den Mut haben auch mal quer zu denken und Dinge kritisch zu hinterfragen," so Helmut Krause. "Man sollte trotz aller erlernter Methoden nie vergessen, dass der Patient im Mittelpunkt steht."

Am nächsten Tag arbeiten die Teilnehmer weiter selbstständig mit den Patienten und treffen sich am Nachmittag zur gemeinsamen Reflektion. Jeder berichtet über die Erfahrungen mit seinem behandelten Patienten, dessen Probleme, die kleinen Erfolge, die an dem Wochenende erreicht werden konnten, wie unterschiedlich jeder Patient motiviert werden kann und wie die Therapie weiter gehen sollte, um erfolgreich zu sein.

So lernt jeder von jedem in diesem Kurs. "Wir sind alle auf einem unterschiedlichen Stand und bringen verschiedene Berufserfahrungen mit. Für jeden sind in diesem Kurs Sachen dabei, die er verwenden kann," sagt eine Teilnehmerin aus der Neuroreha in Sinsheim. Silvia Koch ist der Meinung, der Kurs habe sie weiter gebracht. "Ich kannte die Spiegeltherapie zwar vorher, habe aber vor diesem Wochenende noch nie selbst damit gearbeitet. Das hat mir sehr gut gefallen. Außerdem wurden viele Dinge, die schon etwas eingestaubt waren wieder aufgefrischt und bewusst gemacht," sagt die junge Schweizerin, die nach dem Kurs motiviert und mit vielen neuen Erkenntnissen in die neue Arbeitswoche startet.

Bildergalerie: Patienten am Armeo
Training der oberen Extremität mit dem Armeo