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Plastizität des Gehirns

Warum Hoffnung?

Aufbauend auf persönlichen Erfahrungen mit hirnverletzten Soldaten entwickelte Prof. Dr. Friedrich Schmieder in den 1950er Jahren ein ganzheitliches Therapiekonzept, das zur Grundlage der Arbeit in den Kliniken wurde.

Seine Annahme war, dass durch fachgerechte und intensive Behandlung auch lange Zeit nach einer Schädigung des Gehirns Verbesserungen gestörter Leistungen möglich sind. Eine Annahme, die heute die Hirnforschung beweisen kann und die auch "Plastizität des Gehirns" genannt wird. Das menschliche Gehirn besitzt eine erstaunliche Wiederherstellungsfähigkeit. Areale, die nach Unfall oder Krankheit beschädigt sind, können in ihrer Funktion von benachbarten Arealen ersetzt werden. Werden Verbindungen zwischen Nervenzellen unterbrochen, entstehen diese an anderer Stelle umso sicherer, je früher das therapeutische Training begonnen wird. 

In einer unermüdlichen Vortrags- und Publikationstätigkeit versuchte Prof. Schmieder in den ersten Jahren Widerstände zu brechen, Interesse und Verständnis zu wecken und die Öffentlichkeit von der Sinnhaftigkeit und gesundheitspolitischen Notwendigkeit Neurologischer Rehabilitation zu überzeugen. Noch 1967 musste er fest stellen: „Es wird immer noch unsere erste Aufgabe sein, zu lehren, zu demonstrieren, ja zu predigen, wie man Hirngeschädigte erkennt und behandelt und resozialisiert.“ Ein Dictum, das heute nicht an Bedeutung verloren hat. 

Die Grundzüge seines ganzheitlichen Therapiekonzepts legte er bereits 1956 dem Bundesminister für Arbeit in einer Denkschrift vor. Darin erklärte er sein neuartiges Konzept: Ziel der Neurologischen Rehabilitation sei die Wiederherstellung bzw. Besserung der gestörten körperlichen, geistigen und seelischen Funktionen des Nervensystems zur Erlangung eines möglichst hohen Maßes an Selbständigkeit und Teilhabe sowohl im häuslich-privaten als auch im beruflichen und gesellschaftlichen Bereich. Im Zentrum der Neurologischen Rehabilitation stehe der Mensch, der durch eine Schädigung seines Gehirns im Kern seines menschlichen Daseins getroffen und in seiner Lebensführung mit seiner Familie zutiefst erschüttert wird. 

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