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Patientenportrait: Hans Georg Steinhausen

„Ich wurde in der Reha ganz schön gefordert"

Mit einem starken Willen und großem Engagement auch für andere Patienten mit einem ähnlichen Schicksal kämpft Hans Georg Steinhausen gegen Parkinson
Nach verschiedenen diagnostischen Untersuchungen erhärtete sich 2004 der Anfangsverdacht: Parkinson. Für Hans Georg Steinhausen und seine Familie war das ein Schock. Sein Leben veränderte sich zunächst langsam. Einschränkungen der Beweglichkeit folgten: Das grobschlägige Zittern des Armes und der rechten Hand war nahezu unerträglich, das Gehen fiel schwerer und das Sprechen wurde undeutlicher. Und er entwickelte Verhaltensstrategien, die motorischen Defizite im sozialen und beruflichen Umfeld zu verbergen. Schließlich entschied sich der gebürtige Rheinländer für eine so genannte Tiefe Hirnstimulation. Während einer acht Stunden dauernden Operation wird ihm im Juli 2013 ein Hirnschrittmacher eingesetzt. In der anschließenden fünfwöchigen Rehabilitation in Gailingen arbeitete er mit großem Erfolg an seiner Beweglichkeit. Gleichzeitig galt es, unnötige Bewegungen zu vermeiden und den richtigen Bewegungsablauf erneut zu automatisieren.

„Ich konnte 2004 meinen Mittelfinger nicht mehr bewegen und ging zum Orthopäden. Nach verschiedenen Untersuchungen bei Fachärzten war plötzlich der Verdacht da: Parkinson. Das war ein Schock für mich und meine Familie. Damals war ich 58 und stand noch voll im Job als alleiniger Geschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Nordrhein-Westfalen und als Vorsitzender der Freien Wohlfahrtspflege. Die ersten Jahre verliefen noch ziemlich gut, doch dann ging´s immer rabiater bergab. Ich stand vor einer Straßenbahn in Köln, wollte einsteigen, nichts ging mehr. Die Bahn fuhr ohne mich ab. Muskelstarre: Ich konnte die Beine nicht mehr bewegen. Das Symptom nennen die Mediziner Freezing; andere Symptome wurden ebenfalls heftiger: das Zittern im Arm und der rechten Hand; ich musste schließlich mit dem Löffel essen, im Bett konnte ich mich nachts nicht mehr umdrehen. Ständig dachte ich, mir fließt Speichel aus dem Mund. Die Symptome konnten durch eine medikamentöse Therapie erfolgreich bekämpft werden, doch als ein Medikament wegen Herzprobleme abgesetzt wurde und ich andere Medikamente schlechter vertrug, entschied ich mich für eine Gehirnoperation in Köln. Mir wurde ein Impulsgenerator mit Elektroden ins Hirn eingepflanzt. Wichtig ist es bei der tiefen Hirnstimulation, ein informierter Patient zu sein, der das Auf und Ab des Befindens am Anfang ertragen kann. Das ist meine ganz persönliche Erfahrung. Gerade die Kommunikation zwischen dem Arzt als Vertreter des Behandlungsteams und dem Patienten ist leider sehr oft erschwert, weil unterschiedliche Betrachtungen aufeinanderstoßen.

Die OP war so erfolgreich, dass ich in der anschließenden Reha in Gailingen fast alle Parkinsonmedikamente absetzen konnte. Während der Reha wurde ich ganz schön gefordert, vor allem in der Physio- und Ergotherapie. Laufbandtraining, Treppen steigen, Greifbewegungen üben, Wassertherapie, Tai Chi, Entspannungstherapie, Feldenkrais und Bewegungsübungen, bei denen wir zwar gedanklich aber mit tatsächlichen Bewegungen mit dem Zug von Hamburg nach Gailingen reisten: Es galt Türen aufzumachen, Gepäck zu verstauen, Kaffee zu bestellen und die Feinmotorik beim Trinken einzuüben – all das hat dazu beigetragen, Bewegungen gedanklich zu automatisieren. Ich nutzte die Therapien so intensiv, dass ich schon bald Verbesserungen beim Sprechen, beim Gehen, Greifen oder auch beim Schreiben am PC verspürte. Die Reha war zwar hart, aber auch sehr hilfreich, manchmal auch nervig, wenn etwas nicht gleich klappte. Ein geduldiger Typ war ich nie. Und Verbesserungen nimmt man einfach schnell selbstverständlich hin.

Mein persönliches Ziel für die Zukunft wird es sein, meine Beweglichkeit weiter zu verbessern und allgemein wieder mehr Gestalten zu wollen. Ich bin derzeit im Vorstand des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (www.kda.de) aktiv und engagiere mich mit viel Herzblut für interessante Projekte zur Versorgungsforschung alter Menschen, die an Bedeutung immens zunehmen wird.

Morbus Parkinson

Morbus Parkinson ist eine langsam fortschreitende neurologische Erkrankung. Sie zählt zu den degenerativen Erkrankungen des extrapyramidal-motorischen Systems. Gekennzeichnet ist sie durch das vornehmliche Absterben von Nervenzellen in der Substantia nigra im Mittelhirn mit dem Botenstoff Dopamin. Symptome können sein: Muskelstarre oder Muskelzittern, verlangsamte Bewegungen oder eine Haltungsinstabilität. Parkinson tritt hauptsächlich im höheren Lebensalter auf und nimmt in seiner Häufigkeit zu, je älter ein Mensch wird. Männer sind etwas häufiger davon betroffen als Frauen. Die Erkrankung ist nicht heilbar,
jedoch können die Symptome behandelt werden.

Mein Ziel

„Mein persönliches Ziel wird es sein, meine Beweglichkeit weiter zu verbessern.”
Hans Georg Steinhausen