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Patientenportrait: Martina Hasenfratz

„Ich hab´ begriffen, dass es an mir selbst liegt etwas zu ändern"

"Ich habe die Scherben in einen Tresor gelegt und abgeschlossen."
An Silvester verspürt Martina Hasenfratz unerträgliche Kopfschmerzen, am Neujahrstag wird sie in eine Universitätsklinik eingeliefert: Sie hat seit mehreren Stunden eine Subarachnoidalblutung. Es folgen drei Wochen auf der Intensivstation und einige Rehabilitationsaufenthalte. Die junge Frau lernt mit einem starken Willen wieder zu gehen, zu sprechen und legt schließlich in den Kliniken Schmieder Konstanz ihre Prüfung zur Bürokauffrau ab. Ihre Posttraumatische Belastungstörung therapiert sie gemeinsam mit Trauma-Therapeuten in Gailingen. Ihr Ziel ist es wieder in ein normales Leben zurückzufinden, beruflich wieder Fuß zu fassen und mehr Zeit mit ihren Freunden zu verbringen.

„An Silvester hatte ich immens starke Kopfschmerzen. Ich hielt es nicht mehr aus und rief den Notarzt, der eine Fehldiagnose stellte und mir ein Schlafmittel spritzte. Als ich aufgewacht bin, waren die Kopfschmerzen noch stärker, ich fiel in ein Delirium und wurde schließlich in die Uniklinik eingeliefert, wo ich sofort operiert wurde. Nachdem ich aus dem Koma aufwachte, konnte ich nicht mehr sprechen und mich nicht mehr bewegen. Sechs Tage nach der Gehirnblutung erlitt ich zudem auf der Intensivstation einen Thalamus-Infarkt, der zu einem Nahtoderlebnis führte. Ich wurde erfolgreich reanimiert. Doch danach war das Leben für mich nur noch eine Qual. Ich hab´ begriffen, dass es an mir selbst liegt, wenn ich noch etwas ändern will. Ich hab´ tagelang meine Hände angeschaut, die ich unbedingt bewegen wollte. Und sie haben sich schließlich einen Millimeter bewegt. Danach war mir klar, dann kann ich auch wieder sprechen und alles andere auch.

Wie ein kleines Kind lernte ich in der Rehabilitation wieder gehen und sprechen. Mit einer Ausnahmegenehmigung konnte ich schließlich meine Prüfung zur Bürokauffrau in den Kliniken Schmieder Konstanz nachholen. In den letzten fünf Jahren ist mir jedoch ein großes Problem geblieben, das ich unbedingt lösen muss, bevor ich wieder an einen beruflichen Wiedereinstieg denken kann. Ich leide derzeit noch unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung, die ich während der Zeit auf einer Intensivstation eines Akutkrankenhauses bekommen habe, in der einige Menschen starben. Das Piepen der Apparate, wenn ein Mensch dort stirbt, bringe ich nicht mehr aus meinem Bewusstsein. Noch heute bekomme ich Panikattacken, wenn ich ein Piepen höre. Selbst Ärzte in weißen Kitteln lösen eine Panik aus, da ich sehr schlechte Erfahrungen auf der Intensivstation machte.

In Gailingen tut mir deshalb die tägliche Doppelstunde Trauma-Therapie besonders gut, danach fühle ich mich erleichtert und jedes Mal ein wenig stärker. Ich lege Dinge, die mich belasten, ab und lerne dafür Bilder zu schaffen, wie ich z. B. gedanklich Scherben in einen Tresor lege und abschließe. Neben der Trauma-Therapie hat mir auch die Sporttherapie in Konstanz sehr geholfen. Ich bekomme noch Musiktherapie (Klangliege), körperpsychologische Therapie, mache in der Entspannungsgruppe mit, beim Achtsamkeitstraining, in der Medizinischen Trainingstherapie und in der Berufstherapie, in der meine Belastbarkeit getestet und trainiert wird. Ein tolles Gefühl war es auch wieder in der Medizinischen Trainingstherapie auf einem Stepper zu stehen, der mir einiges an Koordination/Motorik abverlangte. Die Therapievielfalt ist hier enorm und ich bin offen für jede Therapie, die auf meinem Plan steht. Ebenfalls hat mir die cranio-sakrale Therapie geholfen, die ich seit Jahren auch privat betreibe. So habe ich einen inneren Wohlfühlort geschaffen, der mir Kraft gibt und in den ich mich zurückziehen kann. Auch die Yoga-Übungen und das Atmen lösen bei mir Blockaden im Körper, lassen wieder Licht herein und erden mich.

Meine Ziele für die Zukunft sind, wieder zu arbeiten, mehr Zeit mit Freunden zu verbringen, mich selbst in der Cranio-Sakral-Therapie weiterzubilden und mich mit meiner Familie noch besser zu verstehen, nach einer langen und schwierigen Zeit für uns alle.“

Gehirnblutung / Subarachnoidalblutung (SAB)

Rund fünf Prozent aller Schlaganfälle sind Subarachnoidalblutungen. Sie treten etwas häufiger im jüngeren und mittleren Lebensalter auf. Im Gegensatz zum Schlaganfall-Typ Hirninfarkt, der sich durch Mangeldurchblutung kennzeichnet, tritt bei einer Gehirnblutung Blut in den mit Hirnflüssigkeit gefüllten Subarachnoidalraum aus. Ursache ist meist ein Aneurysma, eine Ausweitung eines arteriellen Blutgefäßes. Die Einteilung des Schweregrades erfolgt in 5 Stufen von I (leichte Symptome) bis V (Koma).