Zu den Inhalten springen
Schriftgröße
+
Michael Röhrer berichtet über seine MS-Erkrankung

"Ich hatte den Traum, die Klinik wieder gehenden Fußes zu verlassen"

Der leidenschaftliche Hobbyfotograf Michael Röhrer ist sich sicher, dass Reha das ist, was man selbst draus macht.
Es begann zunächst mit einem kaum merklichen Kribbeln in den Füßen. Michael Röhrer hatte eine Familie gegründet, zwei kleine Kinder, arbeitete als Industriemeister in einem mittelständischen Maschinenbaubetrieb und wollte gerade ein Haus bauen. Was damals mit einem Kribbeln in den Füßen anfing, endete schließlich nach mehreren Untersuchungen in der Diagnose: Multiple Sklerose. Heute muss Michael Röhrer zeitweise den Rollstuhl benutzen. Seine Rehabilitationsaufenthalte brachten ihn seither immer ein Stück weiter. So weit, dass er nun wieder besser Gehen und Treppensteigen kann.

„Zunächst war da nur ein Kribbeln in den Füßen zu spüren. Wir hatten gerade ein Grundstück gekauft und fingen mit dem Hausbau an, bei dem wir viel selbst machten. Schließlich ging das kribbelnde Gefühl immer weiter nach oben: zuerst war es an den Waden, am Knie, an den Oberschenkeln, am Bauchnabel und am Oberkörper – mir hat es schließlich den Atem abgeschnürt. Damals konnte ich keine langen Sätze mehr sprechen. Nach mehreren Untersuchungen stellte ein Neurologe die Diagnose: MS. Für viele Menschen ist das gleich mit einem schrecklichen Bild verbunden, wie etwa auf ewig in einem Rollstuhl sitzen zu müssen oder dass es gesundheitlich immer bergab geht. Für mich damals auch. Nach einiger Zeit fand ich viele Dinge, für die ich ohne MS keine Zeit gehabt hätte. Meine Lebensphilosophie ist es, immer zu versuchen, das Positive zu sehen. Für mich ist die Krankheit ein Zustand, mit dem ich leben muss und an den ich nicht meinen Humor verliere.

Meine Rehabilitationsaufenthalte in Konstanz waren für mich sehr, sehr wichtig und jedes Mal Meilensteine in meiner gesundheitlichen Entwicklung. Dabei betrachte ich Reha als Arbeit, die wertvoll ist und bei der keine Zeit verlorengehen soll. Sie ist anstrengend  und man sollte sich auf keinen Fall sagen: „So nun macht ihr mal!“ Denn es ist gut, wenn man gefordert wird und dann kommen auch Fortschritte. Verkürzt gesagt ist Reha das, was du selbst draus machst. Und in Konstanz konnte ich einiges daraus machen. Vor allem beim Gehen. Ich hatte den Traum, die Klinik wieder gehenden Fußes zu verlassen. Anfangs konnte ich nur im Zimmer rumhoppeln, meine Beine verknoteten sich schnell aufgrund der Spastiken. Dann kamen die Fortschritte: zunächst ein paar Schritte, dann immer mehr, bis zu 600 Schritte schaffte ich, das sind rund 250 Meter. Da bin ich fast schon rumgetigert. Vorletztes Jahr war mein Rehaziel, besser Treppensteigen zu können, da unser Haus mehrere Stockwerke hat. Auch das hab ich geschafft. Mein derzeitiges Rehaziel ist die Gehbewegungen weiter zu verbessern, längere Strecken zurückzulegen und die Handfunktionen zu trainieren. Dass die Erfolge nur eine gewisse Zeit anhalten ist mir klar. Ohne Reha-Arbeit wäre aber mit absoluter Sicherheit eine drastische Verschlechterung zu befürchten. Darum: „Nach der Reha ist vor der Reha.“ Die Planung geht weiter.

Besonders wertvoll war während der Rehabilitationsaufenthalte für mich der Austausch mit anderen Betroffenen. Die Gespräche am Abend mit Menschen, die Ähnliches durchgemacht haben, ähnliche Schicksale erlitten haben, sind so hilfreich. Bei mir sind dadurch lange und intensive Freundschaften entstanden, die ich nicht missen möchte. Geholfen haben mir aber auch meine Hobbys, wie das Fotografieren (š Fotos von Michael Röhrer unter: www.aquareelle-wasserwelten.de, www.rehainkonstanz.de) und das Schreiben für unsere Stadtzeitung.

Multiple Sklerose

Entgegen der landläufigen Meinung führt Multiple Sklerose nicht zwangsläufig zu schweren Behinderungen. Auch viele Jahre nach Beginn der Erkrankung bleibt die Mehrzahl der Patienten noch gehfähig. In Deutschland gibt es etwa 120.000 Betroffene, weltweit schätzungsweise 2,5 Millionen. Die Erkrankung des zentralen Nervensystems, die zu Entzündungen und Gewebeschädigungen führt, kann sich in einer Vielzahl von Beschwerden äußern. Mit medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen versucht man Beschwerden zu lindern, Komplikationen vorzubeugen und die Häufigkeit von Schüben zu reduzieren. Die Kliniken Schmieder Konstanz sind seit 2006 „Anerkanntes MS-Zentrum“ der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft.

"Mein Ziel: Ich will wieder besser gehen können und meine Hände benutzen können."

Michael Röhrer