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Sprachlos über Nacht

Nach intensiver Therapie kann Nathalie Klauser wieder sprechen

Nathalie Klauser gönnt sich eine Erfrischung am Feuersee nach ihrer Logopädie im Ambulanten Therapiezentrum Stuttgart
Jung und schlank: Keinerlei Anzeichen deuten auf einen möglichen Schlaganfall hin. Nathalie Klauser liebt ihren Beruf als Technische Zeichnerin und lebt zusammen mit ihrem Partner und zwei Katzen im Süden der Region Stuttgart. Der Hirninfarkt kam nachts. Morgens bei klarem Bewußtsein wird Nathalie Klauser gewiß, dass sie kein Wort mehr artikulieren kann. Weder "ja" noch "nein" kommen ihr über die Lippen. Globale Aphasie nennen die Ärzte ihre Diagnose, die ihr neben einer latenten Hemiparese rechts zu schaffen macht. Nathalie Klauser kämpft, Woche für Woche. Mit starkem Willen kehrt sie in ihren Alltag zurück. Die Rückkehr in ihren Beruf peilt sie als nächstes an.

"Am 26.04.13 nachts zwischen 2 und 3 Uhr musste ich auf die Toilette. Beim Aufstehen fiel ich aus dem Bett. Ich wollte meinen Freund neben mir wecken und konnte plötzlich nicht mehr sprechen. Meine rechte Seite war gelähmt. Ich war geschockt. Irgendwie konnte ich ihn auf mich aufmerksam machen. Er glaubte, ich würde schlafwandeln und half mir wieder ins Bett. Gegen 5.30 Uhr bin ich wieder aufgewacht, die rechte Seite konnte ich seltsamerweise wieder bewegen. Die Sprache war aber nach wie vor weg. Ich konnte kein Wort äussern. Bevor mein Freund mich ins Krankenhaus brachte, fütterte ich noch unsere Katzen.

Im Krankenhaus überwies man mich sofort in die Sindelfinger Stroke Unit. Nach zwei Tagen wurde ich per Helikopter ins Uniklinikum Tübingen überführt. Dort wurde eingehende Diagnostik gemacht. Anfangs konnte ich mich nur nonverbal verständigen. Mit meinem Freund habe ich stundenlang Uno gespielt. Meinen Namen konnte ich schnell wieder schreiben, oder einzelne andere Wörter. Nach zwei Wochen kam ich für eine fünf-wöchige Reha nach Gerlingen.

Bei Aufnahme in den Kliniken Schmieder in Gerlingen konnte ich fast nichts sprechen. Globale Aphasie verbunden mit einer Sprechapraxie, einer Störung der Sprechbewegungen. Frau Steinbeisser, meine Logopädin hat sich sehr um mich gekümmert. Wie eine Erstklässlerin übte ich mit ihr die Vokale,  a - e - i - o - u. Dann "Mama" und "Papa". Ich merkte peu à peu, ich kann meine Sprache wiedergewinnen. Das spornte mich an. Gerne kam ich täglich zur Logopädie zu Frau Steinbeisser. Auch Eigentraining mit Computerprogrammen und täglichen Hausaufgaben habe ich durchgeführt. So kam ich auf etwa drei Stunden Sprachtraining am Tag. Physiotherapie und Ergotherapie hatte ich je einmal die Woche. Die Mahlzeiten nahm ich mit den anderen Patienten ein. Die unterhielten sich und akzeptierten, dass ich nicht mit ihnen sprechen konnte. Bei Entlassung am 17. Juni konnte ich mich über Ininitive äußern, hatte ich Durst konnte ich das mit "Wasser trinken" ausdrücken. Heute, etwa ein Jahr nach Entlassung geht es mir gut. Ich bin sehr froh, mich wieder ausdrücken zu können. Wortfindungstörungen habe ich nach wie vor. Aber mit Geduld kriege ich alles hin. 

Sehr schön und hilfreich war für mich, dass mein Freund täglich da und meine Mutter sehr häufig da war. Meine Katze habe ich vermisst.
Um die „Krankschreibung" habe ich mich selbst gekümmert. Das war ja kein Problem. Ich habe gelernt, das Leben mit anderen Augen zu sehen. Nach wie vor arbeite ich sehr an meiner Sprache. Ich komme viermal die Woche ins Ambulante Therapiezentrum zur Logopädie, zusätzlich dreimal die Woche in die Logopädieschule als Schulpatient. Ich kann ganze Sätze jetzt besser und deutlicher sprechen und schreiben. Ich freue mich, wieder mit meinen Freundinnen telefonieren zu können. Mein Freund hat zu mir gehalten, das hat uns zusammengeschweisst.

Ich will unbedingt zurück an meinen Arbeitsplatz. Das ist nicht unrealistisch. Mein Chef wartet auf mich."

Aphasie

Eine Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung aufgrund einer Verletzung oder Erkrankung des Gehirns. Wichtig ist die Abgrenzung der Aphasie als Sprachstörung von Störungen der Sprechmotorik wie zum Beispiel der Dysarthrie und Sprechapraxie, allerdings können Sprach- und Sprechstörung auch gemeinsam auftreten, wie in Frau Klausers Fall. Aphasien treten nach verschiedenen Erkrankungen auf wie nach Schlaganfall, Schädelhirn-Trauma, Gehirnblutung, Venenthrombose, Tumor oder entzündlicher Erkrankung. Sie verursachen Beeinträchtigungen in den einzelnen sprachlichen Modalitäten (Sprechen, Verstehen, Schreiben oder Lesen), aber auch in nichtsprachlichen Bereichen in unterschiedlichen Schweregraden. Als Globale Aphasie wird die schwerste Form der Aphasie bezeichnet, bei der alle sprachlichen Bereiche stark gestört sind.

Mein Ziel

„Ich will wieder an meinen Arbeitsplatz zurück. Mein Chef wartet auf mich.” 
Nathalie Klauser

Nathalie Klauser kommt gerne zur Logopädie ins Ambulante Therapiezentrum. Auch für eine Runde Tischkicker finden sich Gleichgesinnte