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Doppelschlag: Wie das Ehepaar Mutz sich in die Normalität zurückkämpft

"Wir lassen uns nicht unterkriegen"

Musik gehört zu Pia und Jürgen Mutz' Leben. Während der Reha überraschten sie alle mit einem musikalischen Abend
Pia und Jürgen Mutz erlebten bewegte Zeiten. Im August ereilte Jürgen Mutz mit gerade 50 Jahren ein Hirninfarkt, zehn Wochen nach ihm erlitt Pia Mutz mit Mitte 40 ebenfalls einen Hirninfarkt, der noch gravierender als der ihres Mannes war. So lagen große Hoffnungen auf der gemeinsamen Rehabilitation der Ehepartner. Zwei Aufenthalte im November 2012 und im Juni 2013 in den Kliniken Schmieder Gerlingen führten zu großen Fortschritten. Auch kulturell sorgten sie für einen Höhepunkt im Klinikjahr: Ihre gemeinsame Liebe zur Musik zeigten sie in einem musikalischen Abend mit deutschen Schlagern für Patienten und Besucher. Durch die beiden Rehabilitationsaufenthalte weitestgehend genesen konnte Jürgen Mutz Anfang November 2013 wieder eine vollschichtige Tätigkeit bei seinem Arbeitgeber aufnehmen. Als Berufskraftfahrer darf er nicht mehr arbeiten, seine vielfältigen praktischen Fähigkeiten hingegen werden von seinem Arbeitgeber sehr geschätzt. Bei Pia Mutz hatte der dritte Rehabilitationsaufenthalt im Dezember 2013 in Gerlingen das vorrangige Ziel, ihre Belastbarkeit zu steigern, um damit einen möglichen beruflichen Wiedereinstieg vorzubereiten.

Jürgen Mutz erzählt: „Mein Wecker klingelte um 4.25 Uhr. Es war im August 2012. Trotz meiner Schmerzen in Kopf, Arm und Brust sowie Nasenblutens fuhr ich ins Geschäft, wo ich als Berufskraftfahrer für ein weltweit tätiges Entsorgungsunternehmen arbeite. Mein Chef bemerkte, dass ich nicht in der Lage war gerade zu gehen, tippte zunächst auf Alkohol und schickte mich dann aber zum Arzt. Nachdem ich dort zwei Mal abgewiesen wurde, erhielt ich gegen 12.30 Uhr eine Überweisung ins Krankenhaus Lahr. Der Thrombus löste sich, nach sechs Tagen wurde ich entlassen. Geblieben waren mir Kopfschmerzen, Schwindel und Wortfindungsstörungen. Ich erkannte, dass ich in diesem Zustand als Berufskraftfahrer eine Gefährdung im Verkehr darstellte. Gleichzeitig musste ich bei meinem Hausarzt, der mich für arbeitsfähig hielt, um eine Überweisung zum Neurologen kämpfen. Dieser erkannte die Lage und leitete eine Rehabilitation bei den Kliniken Schmieder ein. Die hat viel bewirkt. Die Therapeuten haben sich sehr für uns eingesetzt. Meine Schmerzen und mein Schwindel sind weg. Ich bin so froh wieder arbeiten zu können. Und ich freue mich, dass ich wieder Musik machen kann. Jetzt geht es noch um meine Frau; mein größter Wunsch ist, dass sie wieder ganz gesund wird."

Pia Mutz berichtet: „Es passierte Anfang November 2012. Während einer Unterhaltung mit meinem Mann war ich plötzlich nicht mehr in der Lage zu antworten. Ich verstand alles, konnte aber kein Wort herausbringen. Aus Verzweiflung und Panik weinte ich und lachte gleichzeitig hysterisch. Mein Mann war sehr beunruhigt. Als er den hängenden Mundwinkel rechts bemerkte, rief er den Notarzt. Insgeheim wusste ich, dass es ein Schlaganfall war. Bereits 20 Minuten später war ich im Krankenhaus, wo eine Lyse gemacht wurde. Das war ein großes Glück. Dann erfolgte die gemeinsame Reha mit meinem Mann. Ziel des ersten Aufenthaltes war es, meine betroffene rechte Seite zu trainieren. Außerdem wollte ich meine Sprache wieder zurück haben. Heute bemerke ich nur noch leichte Gangunsicherheiten und habe meine alte Kraft wieder. Auch logopädisch habe ich riesengroße Fortschritte gemacht. Die Sprache ist wieder da, fast in altem Tempo. Auch der dritte Rehaaufenthalt in Gerlingen hat mich gestärkt, er hat aber auch gezeigt, dass meine Belastbarkeit noch eingeschränkt ist und ich im nächsten Jahr noch nicht arbeiten kann. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen, mein Mann und ich, wir bleiben dran."

Formen des Schlaganfalls

Das Wort „Schlaganfall" ist eine Sammelbezeichnung. Der Begriff hat sich in einer Zeit etabliert, in der es noch nicht möglich war, die verschiedenen Formen und Ursachen näher zu festzustellen. Heute unterscheiden die Ärzte die Hauptgruppen „Hirninfarkte" und „Hirnblutungen". Rund 80 % der Schlaganfälle sind Hirninfarkte, die durch eine Verstopfung der Gefäße und einer daraus resultierenden Mangeldurchblutung des Gehirns hervorgerufen werden. Auslöser können Arteriosklerose, Embolien oder Thrombosen sein. Etwa 10 bis 15 % der Fälle sind Hirnblutungen. Hier wird der Schlaganfall durch den Austritt von Blut in das Hirngewebe verursacht. Ein geplatztes Gefäß liegt zugrunde. Weiter gibt es seltene Formen wie die Subarachnoidalblutung (Blutung aus einem Aneurysma = Gefäßaussackung) und die venösen Thrombosen.

Mein Ziel

„Meine Belastbarkeit ist noch eingeschränkt. Im nächsten Jahr werde ich noch nicht arbeiten können. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen. Mein Mann und ich, wir bleiben dran.”
Pia Mutz