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Thomas Hens: pfälzische Lebensfreude trotz Hirntumor

„Ich bin nun guter Dinge“

Thomas Hens erzählt über seine Erkrankung an einem Hirntumor und die Reha-Aufenthalte in Gailingen
Der Ingenieur Thomas Hens bringt das Leben mit seinem ständigen Begleiter für sich selbst auf den Punkt: „Du musst mit dem Tumor leben lernen … und du musst versuchen, das Leben positiv zu sehen“. Als er vor fünfzehn Jahren mit 43 die Diagnose erhielt, stand er mitten im Leben. Der Hirntumor hat seither sein Leben geprägt, aber seinen pfälzischen Lebensmut nie gebrochen.

„Nachdem ich mit meiner Frau einkaufen war und wir gerade zuhause waren, bin ich umgekippt. Zuerst dachte ich, es ist der Kreislauf, aber es war wie sich herausstellte ein epileptischer Anfall. Das war vor rund fünfzehn Jahren im Jahr 2000. Damals war ich als Ingenieur viel in Europa unterwegs, hatte ein Haus gebaut und eine Familie gegründet. Nach ersten neurologischen Untersuchungen hieß es: Herr Hens, Sie haben einen Tumor im Kopf, ein so genanntes fibriläres Astrozytom. Es wurde auf der WHO-Skala mit dem Grad II klassifiziert, ist gutartig, neigt aber zur Rezidivbildung und kann übergehen zu einem bösartigen Tumor. Man wollte damals nicht sofort operieren, sondern abwarten wie sich der Tumor entwickelt. Doch die Anfälle nahmen immer mehr zu. Sie waren manchmal so heftig, dass es mir richtig dreckig ging. Ich vergleich’ die Anfälle immer mit einem Gummiband, das immer weiter angespannt wird, bis es schließlich nicht mehr zum Aushalten ist und reißt. Man kann sagen, ich bin damals regelrecht durch die Gegend gefallen, in der Stadt umgekippt, bei der Arbeit umgekippt, beim Fahrradfahren umgekippt. Und dann kommt irgendwann das Angstgefühl dazu, es bringt die Achtung vor der Krankheit mit sich. Man zieht sich Schritt für Schritt aus dem Leben zurück bis die Erkrankung vom Physischen ins Seelische übergeht. An diesem Punkt braucht man Hilfe.

Schließlich wurde bei mir der Tumor 2005 operativ so gut es ging entfernt, denn er war gewachsen und hätte meine Motorik, die Sprache und das Sehen stark beeinträchtigt. Die OP verlief sehr gut und hat ca. fünf Stunden gedauert. Danach hatte ich die erste Reha in Gailingen und es folgten weitere. Ich wusste damals schon, dass der Tumor sich wieder melden kann – in zehn Jahren, im nächsten Jahr oder auch in ein paar Monaten. Und es ging lange gut. So, dass erst in diesem Jahr bei einer Routine-Untersuchung, bei einer EEG, drei Kurven ganz leicht von ihrer Bahn abwichen. Mir war sofort klar, was das bedeutete. Als mir mein Neurologe die Bilder zeigte, sagte ich: Da ist er. Der Tumor war wieder so groß wie eine Rosine. Und er wurde wieder erfolgreich operiert. Ich bin nun guter Dinge. Schon vor Jahren hab’ ich die Einstellung entwickelt, dass ich die gesamte Erkrankung positiv sehen muss. Und deshalb versuche ich heute mein Leben ganz bewusst jeden Tag zu genießen.

Die Therapien während der verschiedenen Rehabilitationsaufenthalte haben mir alle geholfen. Bei der Logopädie hab ich z.B. ein Bilderbuch bekommen und ich sollte formulieren, was ich da seh’. Ich erkannte einen Hund, ein Pferd, aber ich konnte es nicht sprachlich äußern. Das wurde aber schnell besser. Auch die Physiotherapie mit Dehnübungen, die Berufstherapie mit Belastungserprobungen und die Sporttherapie, bei der ich mich total reingehängt habe, haben mir sehr, sehr geholfen.

Meine Therapieziele sind, dass ich meine sportlichen Tätigkeiten noch weiter ausbaue, wie Tennis spielen, Fahrrad fahren, mit den Inlinern unterwegs sein, überhaupt mein Leben genießen, das ist ganz wichtig. Auch hilft mir bei der Krankheitsbewältigung ein weiteres Hobby: Ich singe leidenschaftlich gerne als Tenor im Ludwigshafener Chor für geistliche Musik mit rund hundert anderen Sängern. Schon jetzt freu’ ich mich auf die Aufführung der H-Moll Messe von Johann Sebastian Bach.

Anderen Patienten kann ich nur mitgeben, dass es wichtig ist, die Erkrankung trotzdem als eine positive Sache zu sehen, auch wenn sie eine Belastung ist. Das ist sehr schwer, aber es kann gelingen.“

Hirntumor

Es gibt rund 130 verschiedene Arten von Hirntumoren. Zu den häufigsten gehören so genannte Astrozytome, die vorwiegend im mittleren Lebensalter auftreten. Der Grad der Bösartigkeit wird nach der WHO-Skala von I bis IV klassifiziert. Hirntumore machen insgesamt nur ungefähr zwei Prozent aller Krebserkrankungen aus. Für die Bundesre-publik Deutschland wird geschätzt, dass jedes Jahr rund 6.800 Menschen neu an einem Tumor des Gehirns oder Rückenmarks erkranken. Trotz intensiver Forschungsan-strengungen sind die Ursachen für die Entstehung weitgehend unbekannt.

„Die Therapien während der verschiedenen Rehabilitationsaufenthalte haben mir alle geholfen."

Thomas Hens