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Ursula Bastian wandelte die Krise in eine Chance

„Der Tumor war der Start in mein neues Leben"

Ursula Bastian fand durch schwere Zeiten zu einem Perspektivwechsel. Neue Lebensziele beflügeln sie nach ihrer Hirnoperation
Im September 2013 wurde bei Ursula Bastian ein hühnereigroßer Hirntumor diagnostiziert. Die Familie war doppelt betroffen, da Ursula Bastians Mann jahrelang ebenfalls an einem Hirntumor gelitten hatte und nur zehn Monate zuvor verstorben war. Ursula Bastians Tumor war glücklicherweise gutartig und konnte neurochirugisch entfernt werden. Die Rehabilitation in der Gerlinger Klinik im Anschluss baute sie körperlich wie seelisch wieder auf. Nun erst konnte sie die Trauerarbeit über den Tod ihres Mannes bewältigen. Ende des Jahres machte Ursula Bastian eine stufenweise Wiedereingliederung und kehrte an ihren Arbeitsplatz zurück. Auch persönlich hat sie sich einiges vorgenommen: mehr Sport, mehr Zeit für die schönen Dinge des Lebens und mehr Zeit mit den Kindern. Der Tumor, da ist sie sich sicher, hatte eine Aufgabe. Er verhalf ihr zum Start in ein neues Leben.

„Gerade konnte ich wieder die schönen Seiten des Lebens genießen: Sommerurlaub auf Ibiza im August 2013 mit unseren beiden fast erwachsenen Kindern. Die Zeit, die hinter uns lag war hart. Mein Mann war 10 Monate zuvor, am ersten Weihnachtsfeiertag 2012 nach vier Jahren Kampf an einem Hirntumor des Typs Glioblastom Grad III-IV verstorben. Auf Ibiza wollten wir gemeinsam Schönes erleben, um über die schweren Zeiten hinwegzukommen.

Hier war es, als unser Sohn die ersten Anzeichen wahrnahm: Er erschrak, als er Sprachstörungen bei mir bemerkte, die ihn an die Symptomatik seines Vaters erinnerten. Ich selbst bemerkte zunächst nichts, ging aber am 4. September, meinem ersten Arbeitstag nach Urlaubsende, zum Werksarzt meines Arbeitgebers. Dieser veranlasste eine direkte Überweisung in ein großes Akutkrankenhaus. Das MRT brachte schon am gleichen Abend den Befund: gutartiger Hirntumor des Typs Meningeom, Grad II. Etwas Sicherheit gab, dass die Oberärztin mich erkannt hat, schließlich, war ich über Jahre in jedem Quartal mit meinem Mann zur Kontrolle da. Nach 6 Tagen erfolgte die OP in der Neurochirurgie. Nach weiteren 8 Tagen Krankenhaus wurde ich nach Hause entlassen. Fünf wichtige Tage hatte ich dann Zeit, mich um die Kinder zu kümmern, die meine mentale Unterstützung jetzt besonders brauchten.

Am 23. September begann meine Reha in Gerlingen. Ich war körperlich am Ende, kraftlos und unsicher. Das hat sich aber schnell geändert. Ich fühlte mich von meinen Ergotherapeuten und Physiotherapeuten wirklich gut betreut. In der Neuropsychologie war das Hauptaugenmerk auf den Gesprächen. Hier begann ich, den noch ganz gegenwärtigen Tod meines Mannes zu verarbeiten. Ohne die Reha hätte ich die Trauerarbeit nicht so gut bewältigt. Ich fühlte mich wohl. Wir waren eine muntere Truppe, meine Mitpatienten, die Therapeuten und ich.

Heute geht es mir gut. Der Tumor ist entfernt, ich bin zurück in Arbeit und Familie. Bis Januar 2014 mache ich eine stufenweise Wiedereingliederung. Die Arbeit als Trainerin für Software-Schulungen macht mir Spaß, am meisten stört mich, wenn die S-Bahn verspätet ist, ich den Bus verpasse und deshalb nach 15 Minuten Fußmarsch müde ankomme. Körperliche Arbeit fällt mir noch schwer, ich teile sie mir eben anders ein.

Mein neues Leben beinhaltet auch eine neue Ernährung, mit der ich bereits elf Kilogramm abgenommen habe. Und ich habe die Freude an Bewegung wieder entdeckt. Mit meinen Nachbarinnen habe ich eine Laufgruppe gegründet und mache auch Gymnastik.

Mein Ziel ist es, das Leben so zu gestalten, dass es mir und meinen Kindern Spaß macht. Der Tumor hatte eine Aufgabe. Er ist mein Start in ein neues Leben."

Hirntumor

Rund 130 verschiedene Arten von Hirntumoren sind bekannt. Etwa zwei Drittel aller Hirntumoren sind gutartig. Jährlich wird bei etwa 8 von 100.000 Patienten in Deutschland ein bösartiger Hirntumor diagnostiziert. Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist die wichtigste Diagnosemethode. Zu den Behandlungsformen zählen Operationen, Strahlungstherapie und Chemotherapie. Die Weltgesundheitsorganisation WHO teilt die Tumoren nach Bösartigkeit und Wachstumsverhalten in die Stufen I (gutartig und langsam wachsend) bis IV (bösartig und rasch wachsend) ein. Über die Ursachen von Hirntumoren gibt es nur wenig gesicherte Informationen.

 

Mein Ziel

„Schwierige Jahre liegen hinter uns. Mein Ziel ist es, das Leben so zu gestalten, dass es den Kindern und mir Spaß macht.”
Ursula Bastian