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Stiftung-Schmieder-Preis 2017

Auszeichnung für wissenschaftliche Arbeiten

06.11.2017, Allensbach

Zwei Nachwuchsforscherinnen dürfen sich 2017 über den Stiftung-Schmieder-Preis freuen: Die Psychologin Dr. Johanna Fiess erhielt für ihre Dissertationsschrift zum Thema Funktionell neurologische Störungen (FNS) den mit 2.000 Euro dotierten ersten Platz. Ilka Buchmann, ebenfalls Psychologin und Doktorandin am Zukunftskolleg der Universität Konstanz, erhielt den zweiten Platz, dotiert mit 1.000 Euro, für eine hochrangig publizierte Arbeit zum Thema Apraxie.

Die jungen Forscherinnen bekamen ihre Auszeichnungen am 20. Oktober 2017 im Rahmen des Dies Academicus an der Universität Konstanz von Lisa Friedrich-Schmieder, der Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Schmieder für Wissenschaft und Forschung, überreicht. „Wenngleich auch die anderen eingereichten Arbeiten von hoher wissenschaftlicher Qualität waren, fiel die Entscheidung der Jury einstimmig für die Auszeichnung dieser beiden Arbeiten, die über den wissenschaftlichen Horizont hinaus auch einen direkten Praxisbezug aufweisen“, so Frau Friedrich-Schmieder.

FNS sind komplexe Gesundheitsstörungen, die ihrem Erscheinungsbild nach wie eine neurologische Erkrankung erscheinen, ohne dass jedoch eine (hinreichende) körperliche Ursache ausgemacht werden kann. Betroffene können z. B. durch Lähmungen, Bewegungsstörungen, Krampfanfälle, Blindheit oder Taubheit beeinträchtigt sein. Frau Dr. Fiess konnte u.a. zeigen, dass Patientinnen und Patienten mit FNS auffällig häufig emotionale Vernachlässigung in der Kindheit erfahren haben und, dass sie auf stark erregende, negative Emotionen körperlich mit (transient) verstärkten Symptomen reagieren. Dies bildet sich auch in hirnphysiologischen Korrelaten ab. Neben diesen neuen Befunden gelang es Frau Dr. Fiess, bislang nur theoretisch postulierte Zusammenhänge empirisch zu validieren und zu präzisieren.

Frau Buchmann befasst sich im Rahmen ihres Promotionsstudiums mit dem Phänomen der Werkzeugapraxie. Nach einer neurologischen Schädigung können die Betroffenen einen – ihnen eigentlich bekannten – Gegenstand und seine Bedeutung nicht mehr verknüpfen: Sie wissen also z.B. nicht, was sie mit einer Gabel oder einer Schöpfkelle anfangen sollen, was im Alltag bereits die Zubereitung einer Mahlzeit unmöglich machen kann. Schon in ihrer Masterarbeit hatte Frau Buchmann ein Diagnostikinstrument zur Erfassung der Gliedmaßen-Apraxie entwickelt (Diagnostic Instrument for Limb Apraxia - Short Version; DILA-S). Der nun ausgezeichneten Publikation lag die Auswertung der Daten von 53 PatientInnen mit erstmaligem links- oder rechtsseitigen Schlaganfall zugrunde, die mit diesem Diagnostikinstrument untersucht worden waren.

Die Preisträgerinnen und ihre ausgezeichneten Arbeiten:

Dr. rer. Nat. Johanna Fiess, M.Sc.
Dissertation: Die Bedeutung von Belastung, Emotionsverarbeitung und Körpersensitivität für funktionelle neurologische Symptome (FNS)

Ilka Buchmann, M.Sc.
Publikation: Buchmann I, Randerath J, Selection and application of familiar and novel tools in patients with left and right hemispheric stroke: Psychometrics and normative data, CORTEX (2017), doi: 10.1016/j.cortex.2017.06.001.

Bei der Preisverleihung: Prof. Dr. Ulrich Rüdiger, Rektor der Universität Konstanz, Dr. Johanna Fiess, Ilka Buchmann, Lisa Friedrich-Schmieder, Vorstandvorsitzende der Stiftung Schmieder für Wissenschaft und Forschung (v.l.)

Bei der Preisverleihung: Prof. Dr. Ulrich Rüdiger, Rektor der Universität Konstanz, Dr. Johanna Fiess, Ilka Buchmann, Lisa Friedrich-Schmieder, Vorstandvorsitzende der Stiftung Schmieder für Wissenschaft und Forschung (v.l.)