Morbus Alzheimer

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Morbus Alzheimer

Die Alzheimer-Krankheit (lateinischer Fachbegriff Morbus Alzheimer) ist eine neurodegenerative Erkrankung, die besonders häufig bei Personen über dem 65. Lebensjahr auftritt – sie kann jedoch auch jüngere Menschen betreffen. Benannt ist die Krankheit nach dem deutschen Psychiater und Neuropathologen Alois Alzheimer, der 1901 die Krankheit erstmals beschrieb.

Die Alzheimer-Krankheit gehört zu den Demenzerkrankungen. Ungefähr 60 Prozent der weltweit etwa 24 Millionen Demenzpatienten leiden an Alzheimer.

An einer Demenz leiden in Deutschland etwa 1,2 Millionen Menschen – mit steigender Tendenz, da das Risiko mit steigendem Alter zunimmt. Die demografische Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland ist hinlänglich bekannt, so dass Schätzungen für das Jahr 2030 mit 2,5 Millionen Betroffenen angeben.

Quelle: Alzheimer-Gesellschaft

Alois Alzheimer

Der deutsche Psychiater und Neuropathologe Alois Alzheimer auf einer Aufnahme um das Jahr 1915

Bereits viele Jahre bevor den Angehörigen eines Patienten erste Symptome auffallen, bilden sich im Gehirn der Betroffenen krankhafte Proteinablagerungen, welche auf die Alzheimer-Krankheit hinweisen. Diese Ablagerungen, so genannte Protein-Plaques, schädigen die Gehirnzellen und führen zum Absterben von Neuronen.

Im Krankheitsverlauf nimmt die Hirnmasse durch das Absterben der Neuronen vermehrt ab; man spricht dabei von einer Hirnatrophie. Außerdem wird der Botenstoff Acetylcholin nicht mehr in ausreichenden Mengen produziert, was zu einer allgemeinen Leistungsschwächung des Gehirns führt.

Die Ursachen dieser krankhaften Veränderungen im Gehirn sind noch weitgehend unbekannt. Einige Studien weisen darauf hin, dass dem Entstehen von Alzheimer teilweise genetische Faktoren zugrunde liegen, doch der Anteil dieser genetischen Faktoren am Krankheitsrisiko konnte bisher nicht abschließend geklärt werden.

Krankheitsprozess
  1. Auslöser sind fehlgeleitete Stoffwechselvorgänge: Überproduktion des Beta-Amyloid-Proteins
  2. Das Protein dringt ins Gehirn ein und greift die Gehirnzellen an
  3. Die Gehirnzellen sterben ab und Teile des Gehirns schrumpfen

Charakteristisch ist eine zunehmende Verschlechterung der kognitiven Leistungsfähigkeit. In der Regel zeigt sich diese zunächst in einer Verschlechterung der Gedächtnisleistung, vor allem das Kurzzeitgedächtnis betreffend. Unter Umständen kommt es bereits zu leichten Beeinträchtigungen beim Sprachverständnis und der Informationsverarbeitung. Neben einer Minderung der Orientierungsfähigkeit sind auch Befindlichkeitsstörungen wie Antriebslosigkeit und Depressionen üblich.

Verhaltensauffälligkeiten, Sprachstörungen und eine Abnahme der Alltagsaktivitäten können Warnzeichen sein, die dem äußeren Umfeld eines an Alzheimer Erkrankten erst in einem etwas späteren Stadium der Krankheit erkennbar werden.

Im fortgeschrittenen Stadium der Alzheimer-Krankheit verlernen die Patienten altbekannte Fertigkeiten und erkennen nahe stehende Personen und alltägliche Gegenstände nicht mehr wieder. Auch bei Patienten, die vor der Erkrankung ein friedfertiges Wesen besessen haben, kann es zu unbegründeten Wut- und Gewaltausbrüchen kommen. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion nimmt im weiteren Verlauf der Erkrankung immer mehr ab. Viele menschliche Verhaltensmuster scheinen dann nur noch automatisiert abzulaufen.

Die Muskulatur baut kontinuierlich ab, was zu Sprachproblemen, Harn- und Stuhlinkontinenz und einer immer weiter abnehmenden Mobilität bis hin zur Bettlägerigkeit führt. Ohne Unterstützung können die Betroffenen ihren Alltag nicht mehr meistern und brauchen auch bei einfachen Tätigkeiten Unterstützung. Die Krankheit schreitet bis zum Tode voran, der bei derart geschwächten Patienten oft durch eine Lungenentzündung oder einen Herzinfarkt ausgelöst wird.

Bereits im Frühstadium der Krankheit sind geringe Auffälligkeiten in neuropsychologischen Tests erkennbar. Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie und die Computertomographie tragen zur differentialdiagnostischen Abklärung bei.

Die Alzheimer-Krankheit ist bisher nicht heilbar. Sobald jedoch die Diagnose sicher gestellt ist, können medikamentöse und therapeutische Behandlungsansätze den Krankheitsverlauf verlangsamen und den Krankheitssymptomen teilweise entgegenwirken.

Demenzsprechstunde
An unserem Standort in Allensbach bieten wir eine Demenzsprechstunde zur diagnostischen Abklärung und Beratung an: Demenzsprechstunde

Interview mit Prof. Dr. Anastasios Chatzikonstantinou, Ärztlicher Leiter Akutneurologie und Frührehabilitation Phase B, Kliniken Schmieder Allensbach

"Sehr wichtig sind unterstützende Maßnahmen, die das Leben der Erkrankten und der Angehörigen erleichtern können."

Noch immer ist wenig bekannt über die Ursachen von Alzheimer. Wie eine Erkrankung an der häufigsten Form von Demenz festgestellt werden kann, darüber berichtet Anastasios Chatzikonstantinou, Ärztlicher Leiter Akutneurologie und Frührehabilitation Phase B, Kliniken Schmieder Allensbach.

Wie stellt man Alzheimer fest?

Chatzikonstantinou: Diese Diagnostik ist, wie so oft, vorwiegend eine klinische Diagnose. Das heißt, dass der Arzt die Diagnose anhand der Krankheitsgeschichte, der klinisch-neurologischen Untersuchung und basierend auf den Befunden von einigen apparativen Untersuchungen stellt. Da muss man vorsichtig sein, denn es muss sich nicht unbedingt immer um eine Demenz handeln, wenn der Patient über z.B. Gedächtnisprobleme berichtet. Außerdem gibt es verschiedene andere Demenzformen oder –ursachen, obwohl die Alzheimer-Demenz tatsächlich die häufigste Demenzform ist.

Kann man selber Hinweise finden, die auf Alzheimer hindeuten?

Chatzikonstantinou: In einem gewissen Rahmen schon, weil es diverse Symptome gibt, die darauf hindeuten. Aber, wie schon erwähnt, sollte man hier keine voreiligen Schlüsse ziehen und die Diagnose muss durch einen Arzt (meistens durch einen Neurologen) gestellt werden, nach entsprechender Abklärung. Mögliche Hinweise sind z.B. zunehmende Orientierungs- und Gedächtnisprobleme (vor allem Probleme des Kurzzeitgedächtnisses), Verschlechterung des Vorstellungsvermögens oder Änderung der Persönlichkeit. Alzheimer-Patienten haben Schwierigkeiten, sich auch in einer gewohnten Umgebung zurechtzufinden, verlegen ständig Sachen oder führen unsinnige Handlungen durch. Dass man ab und zu solche Schwierigkeiten hat, bedeutet aber nicht, dass man an einer Alzheimer-Demenz leidet; es ist die kontinuierliche Häufung dieser Auffälligkeiten, die für Demenz-Patienten typisch ist. Die Diagnose einer Demenz setzt voraus, dass eine relevante Alltagsbeeinträchtigung vorhanden ist.

Was weiß man über die Ursachen?

Chatzikonstantinou: Die genaue Ursache ist weiterhin nicht bekannt. Alzheimer ist eine sogenannte neurodegenerative Erkrankung. Das heißt, dass Nervengewebe direkt betroffen ist und untergeht. Beim Alzheimer bilden sich sogenannte Plaques an und sog. Neurofibrillenbündel in den Nervenzellen, was zu einem Zelluntergang führt. Da spielen verschiedene Eiweiße eine Rolle. Warum das aber so ist, ist nicht ganz geklärt. In seltenen Fällen gibt es eine erbliche Neigung dazu, diese Patienten erkranken früher (im Alter von 40 oder 50 Jahren) als die üblichen Alzheimer-Patienten (>65 Jahre).

Wie wird Alzheimer derzeit therapiert?

Chatzikonstantinou: Eine ursächliche Therapie gibt es leider weiterhin nicht. Es gibt bestimmte Medikamente (Cholinesterase-Hemmer), die bei einigen Kranken die Ausfallerscheinungen lindern oder deren Entwicklung verlangsamen können. Davon profitiert aber nur ein Teil der Patienten. Die Forschung läuft intensiv weiter und es sind einige Antikörper in Entwicklung, die den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen sollen – bislang gab es aber keinen eindeutigen Durchbruch.
Sehr wichtig sind aber unterstützende Maßnahmen, die das Leben der Erkrankten und der Angehörigen erleichtern können, wie z.B. Beratungs- und Unterstützungsangebote in Anspruch nehmen und die häusliche Versorgung rechtzeitig organisieren.

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