Morbus Parkinson

Unser Behandlungsspektrum

Morbus Parkinson

Die Parkinson-Erkrankung oder auch der "Morbus Parkinson" verdankt ihren Namen einem englischen Arzt. Dieser Arzt, James Parkinson, beschrieb bereits Anfang des 19. Jahrhunderts die für die Krankheit typischen Symptome, die er bei verschiedenen seiner Patienten beobachtete. Er selbst gab der Erkrankung zunächst den Namen "Schüttellähmung".

Morbus Parkinson ist eine langsam fortschreitende neurologische Erkrankung. Sie zählt zu den degenerativen Erkrankungen des extrapyramidal-motorischen Systems. Der Morbus Parkinson ist gekennzeichnet durch das vornehmliche Absterben von Nervenzellen in der Substantia nigra (einer Struktur im Mittelhirn) mit dem Botenstoff Dopamin. Der Mangel an Dopamin führt letztlich zu einer Verminderung der aktivierenden Wirkung der Basalganglien auf die Großhirnrinde.

Parkinson tritt hauptsächlich im höheren Lebensalters auf und nimmt in seiner Häufigkeit zu je älter ein Mensch wird. Betroffen ist etwas häufiger das männliche Geschlecht als das weibliche.

Morbus Parkinson wird an allen Standorten der Kliniken Schmieder behandelt. In Allensbach bieten wir eine speziell auf Parkinson-Patienten zugeschnittene Multimodale Komplexbehandlung.

Parkinson-Komplexbehandlung in Allensbach

Der Morbus Parkinson ist eine degenerative Erkrankung des Extrapyramidalmotorischen Systems (EPS) bzw. der Basalganglien. Dabei kommt es zu einem Absterben von Nervenzellen in der pars compacta der Substantia nigra (auch Nucleus niger, „schwarzer Kern“), die Dopamin herstellen und durch ihre Axone in das Putamen transportieren. Erste Krankheitszeichen fallen erst auf, wenn ca. 70 % dieser dopaminergenen Zellen abgestorben sind.

Der Dopaminmangel führt über zwei Wege letztlich zu einem Ungleichgewicht in der Funktion der Basalganglien. Der Botenstoff Glutamat liegt dabei relativ im Überschuss vor. Dabei hemmt letztlich der Globus pallidus internus die motorische Aktivierung der Hirnrinde durch den Thalamus. Dies führt zu den Hauptsymptomen Rigor, Tremor und Hypokinese, aber auch zur Verlangsamung der geistigen Prozesse (Bradyphrenie).

Neben dem Dopaminmangel wurden auch Veränderungen anderer Neurotransmitter festgestellt. So zeigte sich in einigen Regionen des Hirnstammes ein Serotonin- und Noradrenalin-Mangel.

Dopamin

Dopamin – im Volksmund auch "Glückshormon" genannt – ist ein anregendes Hormon, das Signale zwischen Nervenzellen weiterleitet statt sie zu hemmen. Es steuert so emotionale wie geistige Reaktionen. Der Botenstoff spielt eine entscheidende Rolle bei Parkinson.

Die Leitsymptome (auch Kardinal- oder Kernsymptome genannt) sind

  • Rigor (Muskelstarre),
  • Bradykinese (verlangsamte Bewegungen), welche bis hin zu Akinese (Bewegungslosigkeit) führen kann,
  • Tremor (Muskelzittern) sowie
  • posturale Instabilität (Haltungsinstabilität).

Die aktuelle Definition des Parkinson-Syndroms fordert, dass das Kardinalsymptom Brady- bzw. Akinese mit wenigstens einem der anderen Symptome (Rigor, Tremor oder posturale Instabilität) in Kombination auftritt. Daneben sind verschiedene sensible, vegetative, psychische und kognitive Störungen möglich.

Die Erkrankung beginnt schleichend und schreitet danach zeitlebens fort, die Symptome werden im Verlauf stärker und daher auch besser erkennbar. Das IPS beginnt typischerweise einseitig (und bleibt im Verlauf einseitig stärker); als Frühzeichen gilt z. B. das reduzierte und später fehlende Mitschwingen eines Armes beim Laufen. Nicht selten treten Schulterschmerzen und einseitige Muskelverspannungen auf, die den Patienten zuerst zum Orthopäden führen.

Quelle: Manfred Gerlach, Heinz Reichmann, Peter Riederer: Die Parkinson-Krankheit. Grundlagen, Klinik, Therapie. Springer 2007.

Es gibt heute noch keine Möglichkeit einer ursächlichen Behandlung des Parkinson-Syndroms, die in einem Verhindern der fortschreitenden Degeneration der Nervenzellen des nigrostriatalen Systems bestünde. Daher konzentriert sich die Parkinson-Therapie auf eine Behandlung der Symptome, die zunehmend gut möglich ist. Sie beschert den Patienten in den ersten Jahren und manchmal auch Jahrzehnten der Erkrankung ein nahezu unbehindertes Leben und lindert auch den späteren Verlauf der Erkrankung.

Morbus Parkinson wird an allen Standorten der Kliniken Schmieder behandelt. Seit April 2016 bieten wir in unserer neurologischen Akutabteilung in Allensbach außerdem die Möglichkeit, Patienten mit Morbus Parkinson oder atypischen Parkinson-Syndromen wie Primär progressiver Paralyse (PSP), Multisystematrophie (MSA) oder cortikobasaler Degeneration (CBD) während eines zwei- bis dreiwöchigen Aufenthaltes intensiv ärztlich, physiotherapeutisch, ergotherapeutisch, logopädisch, neuropsychologisch und medikamentös zu behandeln. Das besondere an der Parkinson-Komplexbehandlung ist der intensivierte interdisziplinäre Behandlungsansatz. Der Vorteil für die Patienten ist, dass sie die notwendigen Therapien von erfahrenen Therapeuten, individuell auf ihre Defizite zugeschnitten erhalten. Dies ist gerade für Patienten mit Bedarf in mehreren therapeutischen Bereichen ein großer Vorteil.

Was unsere multimodale Komplexbehandlung bei Morbus Parkinson und atypischen Parkinson-Syndromen am Klinikstandort Allensbach beinhaltet:

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Behandlung erfolgt hauptsächlich durch die Gabe einer dopaminergen Medikation, das heißt mit Medikamenten, die zu einer Erhöhung des Dopamin-Angebots im Gehirn führen bzw. Arzneistoffen, welche das fehlende Dopamin ersetzen.

Mit dem Fortschreiten der Erkrankung muss die medikamentöse Behandlung im Verlauf immer wieder durch einen erfahrenen Neurologen angepasst werden.

Bewegungs- und Sprachtherapie

Ausreichende Bewegung ist wichtig, um die für das Parkinson-Syndrom typische allmähliche Verminderung der Mobilität so lange wie möglich hinauszuzögern. Bei fortgeschrittener Krankheit ist dafür eine regelmäßige und speziell darauf ausgerichtete Physiotherapie nötig. Eine logopädische/sprachtherapeutische Unterstützung ist sinnvoll, wenn sich mit Fortschreiten der Erkrankung das Sprechen (leise und unexakte Aussprache, zu leise und zu hohe Stimme, zu schnelles Sprechen) und/oder das Schlucken (Verschlucken meist zunächst bei Flüssigkeiten, evtl. Komplikationen wie Lungenentzündungen) verschlechtert. Ergotherapie unterstützt durch feinmotorisches Traning für den Alltag, neurokognitives Training arbeitet an der Raumwahrnehmung zur Verbesserung der Bewegung. Hilfsmittel wie z. B. Knöpfhilfen oder Greifzangen erleichtern zusätzlich die Bewältigung alltäglicher Herausforderungen.

Tiefe Hirnstimulation

Seit vielen Jahren werden bei der Parkinson-Krankheit auch neurochirurgische Behandlungsmöglichkeiten eingesetzt. Eine seit Anfang der Neunziger Jahre zunehmend sehr erfolgreiche Methode ist die Tiefe Hirnstimulation, bei der dem Patienten ein Impulsgenerator („Hirnschrittmacher“) eingesetzt wird. Er erzeugt elektrische Impulse und leitet sie über dünne Kabel, je nach Lokalisation der Krankheitsursache und entsprechender Platzierung der Stimulationselektroden, in die jeweiligen Basalganglien, Nucleus subthalamicus, Globus pallidus oder den vorderen Thalamus, wodurch dort überaktive Fehlimpulse wirksam unterdrückt werden können. Dieses Verfahren kommt bei Parkinson-Syndromen, daneben aber auch Dyskinesien und essentiellem Tremor in Frage, wenn die medikamentöse Therapie ihre Grenzen erreicht hat oder aus anderen Gründen nicht oder nur eingeschränkt einsetzbar ist.

Bei dem Eingriff zur Elektrodenplatzierung handelt es sich um eine anspruchsvolle Stereotaktische Gehirnoperation, die sowohl im Vorfeld als auch während der Operation genaueste Planung und Kontrolle anhand von radiologisch gewonnenen räumlichen Bilddaten und elektrisch abgeleiteten neurophysiologischen Messwerten erfordert. Die Wirkung ist zumeist positiv. Es ist jedoch zu beachten, dass bei den Patienten im Anschluss an die Operation teilweise ein übersteigerter Antrieb auftritt, der in der ersten Zeit nach dem Eingriff vorübergehend in Selbstüberschätzung übergehen kann. Ein entscheidender Vorteil der Methode gegenüber früheren „ablativen“ (zerstörenden) Verfahren, die bei diesen Krankheitsbildern heutzutage keine Anwendung mehr finden, liegt in der nahezu vollständigen Reversibilität.

Die Patienten erhalten anschließend ein spezielles Kontrollgerät, welches ihnen ermöglicht, selbstständig den Ladungszustand der Batterie regelmäßig zu überprüfen, den Stimulator bei Bedarf ein- und auszuschalten sowie bei einigen Modellen (nach vorheriger fachlicher Einweisung) auch die Stimulationseinstellungen des Impulsgebers innerhalb bestimmter voreingestellter Grenzbereiche selbst der jeweiligen Situation entsprechend anzupassen. Die Kontrollgeräte arbeiten transkutan mittels magnetischen Impulsen.

Nach dem Eingriff zur Elektrodenplatzierung ist eine qualitativ hochwertige Anschlussheilbehandlung in einer spezialisierten Neurologischen Rehabilitationseinrichtung notwendig. Zum Behandlungsspektrum der Kliniken Schmieder gehört auch eine solche Anschlussheilbehandlung für Parkinson-Patienten.

Interview mit Christoph Herrmann

"Die Behandlung basiert auf vier Säulen"

Parkinson ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, deren Ursachen wissenschaftlich nur teilweise verstanden sind. Christoph Herrmann, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Ärztlicher Leiter der Kliniken Schmieder Gailingen, behandelt als Rehabilitationsmediziner seit 1995 Betroffene. Er wünscht jedem Patienten, dass die Erkrankung frühzeitig erkannt und von erfahrenen Neurologen behandelt wird.

Was versteht man unter einer Parkinson-Erkrankung?

Herrmann: Unter „Parkinson“ versteht man zunächst ein Krankheitsbild („Syndrom“), das bestimmte Beschwerden („Symptome“) umfasst. Das „Parkinson-Syndrom“ setzt sich charakteristischerweise aus Störungen in der Bewegung (Motorik) wie Muskelstarre (sog. Rigor), Zittern (sog. Tremor) und verlangsamten oder eingefrorenen Bewegungen (sog. Hypo-/Akinese) zusammen.
Etwa 75% dieser Menschen mit einem Parkinson-Syndrom leiden an der Parkinson-Krankheit im engeren Sinne, dem idiopathischen Parkinsonsyndrom (IPS), über das wir im Folgenden sprechen.

Was sind die Ursachen für Parkinson?

Herrmann: Wie die Bezeichnung „idiopathisch“ für das IPS schon aussagt sind die genauen Erkrankungsprozesse wissenschaftlich noch nicht genau verstanden, obwohl der Erkenntniszuwachs gerade in den letzten Jahren rasant ist. Wir gehen davon aus, dass die Krankheit ausbricht, wenn zwei Voraussetzungen zusammentreffen: Es liegen bestimmte genetische Faktoren vor und es wirken schädigende Umweltfaktoren - meist toxische Substanzen ‑ ein.

Nach aktuellen Hypothesen beginnt die Erkrankung in Nervenzellen im Darm oder im Riechkolben, was die Frühsymptome Verstopfung oder Geruchsstörung erklärt. Zellschädigend wirkt sich die Ansammlung eines bestimmten Proteins der Zellstruktur, das sog. α-Synuklein, aus.

In der Folge der Ausbreitung der Erkrankung kommt es dann zu einer Schädigung und zu beschleunigtem Untergang von bestimmten Nervenzellen auch des Mittelhirns. Der jährliche Verlust dieser Neurone liegt bei IPS bei etwa 18%, normal wäre alterungsbedingt nur 0,3%. Es handelt sich dabei um die den wichtigen Botenstoff Dopamin produzierenden Nervenzellen, deren weite Ausläufer bestimmte Zentren im Großhirn stimulieren, die u.a. unsere Bewegungsabläufe steuern. Dopamin spielt auch eine zentrale Rolle im Belohnungssystem unseres Verhaltens. Es kommt so zum Dopamin-Mangel in den betroffenen Zielregionen des Gehirns. Dopaminmangel erklärt eine Vielzahl der Parkinson-Symptome, aber nicht alle. Mit Fortschreiten der Erkrankung werden auch Steuerungssysteme anderer Botenstoffe, wie Serotonin, mitbetroffen, die dann zu weiteren Störungen führen können.

Wie häufig ist die Erkrankung?

Herrmann: Ein IPS ist mit 3-4 von tausend Menschen in der Bevölkerung eine insgesamt eine eher häufige neurologische Erkrankung. Es kann bereits vor dem 40. Lebensjahr einsetzen und nimmt an Häufigkeit bis zum 90. Lebensjahr zu; das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 55 Jahren.

Mit welchen Einschränkungen muss ein Patient rechnen?

Herrmann: Im Vordergrund der Parkinson-Erkrankung stehen die Einschränkungen der Bewegungsabläufe: Dies kann ein langsames, auch einseitiges Zittern der Hände sein, eine Bewegungsarmut – wie z.B. eine starre Mimik, ein eingeschränktes Mitschwingen der Arme beim Gehen oder eine Veränderung des Schriftbildes –sein oder eine vermehrte Muskelsteifigkeit, die häufig zu Schmerzen, vor allem im Bereich des Rückens oder der großen Gelenke führt. Sehr charakteristisch ist auch das frühe Nachlassen des Geruchsinns, das häufig erst auf Nachfragen erkannt wird (ein einfacher Test: Riecht Kaffeepulver nach Kaffee?). Im weiteren Verlauf kommt es dann zu Störungen der Gleichgewichtsfunktionen und einer charakteristischen Körperhaltung mit vornübergebeugtem Oberkörper; auch können Sprechstörungen mit leiser monotoner Stimme auftreten und häufig auch Einschränkungen der geistigen Hirnleistungen, der Kognition, mit Einschränkungen der geistigen Flexibilität und beim Multitasking.

Wie lässt sich Parkinson diagnostizieren?

Herrmann: Weil die Diagnose überwiegend auf dem Vorhandensein von Beschwerden fußt, kann diese am Anfang schwierig sein, insbesondere wenn unspezifische Beschwerden wie chronische Schmerzen, Verdauungsstörungen oder Antriebsarmut im Vordergrund stehen. Dann werden gelegentlich beispielsweise psychische Erkrankungen angenommen. Daher sollte immer aktiv nach Störungen des Geruchssinns gefahndet werden. Meist führt das Auftreten der typischen Kombination von Symptomen im Verlauf zur Diagnose. Ein einseitiges Zittern, Veränderungen des Schriftbildes oder Steifigkeit in Verbindung mit Gelenk- und Rückenschmerzen sollten immer auf das Vorliegen einer Parkinson-Krankheit abgeklärt werden. Diagnostisch wegweisend ist typischerweise das Ansprechen des Kernsymptoms der Bewegungsarmut auf die Gabe von L-Dopamin. Die Durchführung einer Schnittbildgebung des Gehirns mittels MRT dient im Wesentlichen dem Ausschluss anderer Ursachen. Mit modernen Ultraschallgeräten lassen sich heute gewebliche Veränderungen im Mittelhirn schon in frühen Krankheitsstadien direkt nachweisen. Mittels spezieller diagnostischer nuklearmedizinischer Methoden lassen sich in ausgesuchten Fällen (z.B. Tremor-Parkinson-Syndrom) die Störungen des Dopamin-Transportes direkt bildgebend sichern.

Was hilft bei Parkinson?

Herrmann: Die Behandlung basiert auf 4 Säulen: Funktionellen Therapien, Medikamenten, der Tiefenhirnstimulation sowie der Beratung der Betroffenen und ihrer Partner. Da motorische Symptome im Verlauf der Erkrankung im Vordergrund stehen, sind Physio- und Sporttherapie eine wesentliche Säule der Behandlung. Dies auch deswegen, weil nicht alle Beschwerden ausreichend gut auf medikamentöse Behandlung ansprechen und im Krankheitsverlauf häufig eine Dekonditionierung eintritt. Besonders erfolgreich in der Bewegungstherapie sind Übungen, die Bewegungsabläufe und Gleichgewicht trainieren. Dabei spielt der Einsatz großräumiger Bewegungen (s.a. LSVT BIG) und Übungen, die die Gleichgewichtsreaktionen verbessern, eine große Rolle. Wirksame Trainingsprogramme bestehen auch für die Verbesserung von Sprechstörungen (s. LSVT LOUD). In der Regel ist es erforderlich, dass diese Übungen durch erfahrene Therapeuten eingeübt werden und dann vom Betroffenen selbst regelmäßig zuhause fortgesetzt werden. Dies lässt sich am besten in speziellen Trainingsprogrammen mit Krankheits-spezifischen Gruppen, z.B. in Rehabilitationseinrichtungen umsetzen.

Die zweite Säule der Behandlung, die medikamentöse Therapie, basiert in erster Linie auf dem Ersatz des bestehenden Dopamin-Mangels durch äußere Zufuhr in Form von Medikamenten. Diese stehen mittlerweile in unterschiedlichen Darreichungsformen und Wirkmechanismen zur Verfügung. Auch die Störungen des Schlafes, der Stimmung, der Verdauung oder des Kreislaufs können behandelt bzw. müssen dabei berücksichtigt werden. Um eine möglichst anhaltend wirksame und nebenwirkungsarme Therapie durchführen zu können, sind ein besonderes Fachwissen und viel Erfahrung notwendig. Dies erfordert in der Regel eine Mitbehandlung durch einen in der Parkinson-Behandlung erfahrenen Neurologen.

Wenn die medikamentöse Therapie keine befriedigenden Erfolge mehr zulässt, hat sich der Einsatz der Tiefenhirnstimulation bewährt. Diese dritte Säule der Behandlung ist die wirksamste Therapieform für das idiopathische Parkinson-Syndrom. Dabei werden elektrische Stimulationselektroden in tiefe motorische Zentren des Gehirns implantiert, die dann durch einen von extern programmierbaren Schrittmacher so gesteuert werden, dass es zu einer deutlichen Besserung der Parkinson-Symptomatik kommt. Jüngste Studien zeigen, dass der rechtzeitige Einsatz dieser Verfahren eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität und eine erhebliche Verminderung von unerwünschten medikamentösen Nebenwirkungen mit sich bringt.
Eine umfassende Beratung der Betroffenen und ihrer Angehörigen über die Erkrankung und die im Verlauf auftretenden Probleme verbessert als vierte Behandlungssäule ebenfalls wirksam den Krankheitsverlauf. Neben der ärztlichen Beratung bietet die Teilhabe an der Parkinson-Selbsthilfe (www.parkinson-vereinigung.de; Deutsche Parkinson Vereinigung e.V.) eine ergänzende, moderne aktuelle Informationsplattform.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es heute und welche in naher Zukunft?

Herrmann: Gerade die Bedeutung funktioneller Therapien, wie Krankengymnastik, neuropsychologische Trainingstherapie und Sprachtherapie, hat zunehmend an Bedeutung gewonnen. Es hat sich bewährt interdisziplinäre, multiprofessionelle Behandlungen in geeigneten Rehabilitationskliniken, insbesondere auch stationär durchzuführen. Hierbei ist eine Optimierung der medikamentösen Therapie bei gleichzeitiger Intensivierung der Therapiefrequenz und dem Einsatz ambulant nur schwer zugänglicher, wie beispielsweise der parkinsonspezifischen Sprachtherapie oder neuropsychologischer Therapien möglich. Gerade dieses Zusammenwirken ermöglicht häufig zusätzliche, in der ambulanten Therapie nicht erreichbare Erfolge, deren Nachhaltigkeit inzwischen gesichert ist.

Nach der Implantation von Hirnschrittmachern müssen diese eingestellt und parallel dazu die medikamentöse Therapie angepasst werden. Dies erfordert Zeit und wird sinnvollerweise durch funktionelle Therapien und eine entsprechende Aufklärung und Betreuung begleitet. Auch hier eigenen sich Rehakliniken in besonderem Maße. Unsere Erfahrungen zeigen, dass gerade im Bereich der Hirnschrittmacher ein zunehmender Bedarf an qualifizierter Rehabilitationsmöglichkeit besteht.

Was müssen Parkinson-Patienten hinsichtlich der Corona-Pandemie beachten?

Herrmann: Für die besonders gefährdeten Menschen mit chronischer Erkrankung, wie z. B. einem Parkinsonsyndrom besteht eine eindeutige Impfempfehlung. Der Nutzen einer Impfung gegen SARS-CoV-2 (COVID-19) überwiegt nach ärztlichem Kenntnisstand mögliche Nebenwirkungen; mit einer Beeinträchtigung der Parkinsontherapie durch die zugelassenen Impfstoffe ist nicht zu rechnen.

Was raten Sie Parkinson-Patienten und deren Angehörigen?

Herrmann: Wir wünschen den Parkinson-Betroffenen und deren Angehörigen, dass die Diagnose früh gestellt wird und sie von Anfang an durch einen mit dieser Krankheit erfahrenen Neurologen betreut werden. Auf diesem Wege lassen sich die Folgen dieser fortschreitenden Erkrankung auf Lebensqualität und Integration in Familie und Alltag am besten minimieren.

Kontakt