Liz ist ein „social robot“, den wir bei Rehabilitand:innen mit einem Post/Long-Covid-Syndrom zum Einsatz bringen. Es handelt sich um ein von der EU im Rahmen des „Horizon Framework“ gefördertes Projekt mit dem „grant agreement 825003“. Mit Hilfe von Liz stellten wir den teilnehmenden Post/Long-Covid-Patient:innen mehrfach Fragen aus einem Post-Exertionell-Malaise (PEM) Fragebogen, um so ihren momentanen Zustand abbilden zu können. Darüber hinaus stellten wir Fragen zur Schlafqualität und zum empfundenen Energielevel. Es war auch möglich, Informationsvideos zum Post/Long-Covid-Syndrom und spezifische Therapie-Übungen abzurufen. Die Antworten der Teilnehmer:innen wurden anonymisiert gespeichert und waren über einen verschlüsselten Zugang abrufbar. Daten eines Bewegungssensors konnten bei Zustimmung der Teilnehmer:innen in das Projekt integriert werden. Alle Datenschutzerfordernisse eines EU-geförderten Projektes waren erfüllt.
Zusätzlich befragten wir die Teilnehmer:innen auch nach der Zuverlässigkeit, dem wahrgenommenen Nutzen und der Bedienbarkeit von Liz. 12 Post/Long-Covid-Patient:innen im Alter von 31 bis 62 Jahren (M = 49,08, SD = 10,99) testeten Liz über einen Zeitraum von 3 bis 4 Wochen. Die Teilnehmer:innen waren im Durchschnitt gut gebildet mit 9 bis 13 Jahren Schulbildung (Mittelwert = 10,66, SD = 1,50) und litten sowohl unter körperlichen als auch unter psychischen Symptomen. Die Ziele der Patient:innen waren in erster Linie gesundheits- oder arbeitsbezogen (z. B. Rückkehr an den Arbeitsplatz, Verbesserung der körperlichen Fitness, Wiedererlangung der geistigen Leistungsfähigkeit). Die meisten Patient:innen wurden in ihrem Alltag entweder von Familienmitgliedern, Kolleg:innen oder medizinischem Fachpersonal unterstützt. Die Teilnehmer:innen waren eher technikaffin und nutzten meist mehr als ein technisches Gerät im Alltag (z. B. Smartphone und Computer oder Tablet).
Vor Beginn der Studie beschrieben die Teilnehmer:innen Liz eher positiv, mit Adjektiven wie lustig, niedlich und hilfreich. Die Teilnehmer:innen testeten Liz über einen Zeitraum von 3 bis 4 Wochen. Anschließend wurden sie erneut befragt. Liz wurde auf einer Skala von 0 (überhaupt nicht hilfreich) bis 10 (sehr hilfreich) mit einem Mittelwert von 5,13 (SD = 1,96) bewertet. Die Funktionalitäten von Liz wurden mit einem Mittelwert von 5,25 (SD = 3,50) bewertet. Die Bewertungen reichten von 0 bis 10, was auf eine große Varianz zwischen den Teilnehmer:innen hindeutet. Die meisten Patient:innen nutzten Liz täglich und gaben an, fast immer den Ratschlägen zu folgen, hauptsächlich aus Pflichtgefühl oder „weil der Entwickler sich etwas dabei gedacht hat“.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Teilnehmer:innen Liz anfangs als positiv, lustig, niedlich und hilfreich beschrieben und erwarteten, dass die Anwendung zur Reflexion und Unterhaltung beiträgt. Nach einer Nutzungsdauer von 3 bis 4 Wochen berichteten die Teilnehmer:innen von positiven Erfahrungen mit Liz, wobei ihnen insbesondere die Fragebogen-, Nachrichten- und Videofunktionen gefielen. Während einige Teilnehmer:innen Liz als sehr hilfreich empfanden, machten andere gemischte Erfahrungen oder zögerten, Liz langfristig zu nutzen. Das negative Feedback konzentrierte sich auf technische Probleme oder Designentscheidungen und nicht auf das Konzept eines digitalen Gesundheitscoaches im Allgemeinen. Die Teilnehmer:innen fanden Liz nützlich, um das Wohlbefinden durch Erinnerungen an positive Momente, Motivation, Bestätigung, Achtsamkeit und Reflexion zu verbessern, aber für die langfristige Nutzung wurden Verbesserungen wie ein intelligenteres System vorgeschlagen. Insgesamt würden die Teilnehmer:innen Liz weiterempfehlen, waren aber vorsichtig, es nach dem Test weiter zu verwenden, und wiesen auf mögliche Bereiche für weitere Entwicklungen hin.
Prof. Dr. Michael Jöbges
Ärztlicher Leiter
Kliniken Schmieder Konstanz