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Prof. Roger Schmidt über die Verleihung der Honorarprofessur

"Universität und Klinik ergänzen sich vorzüglich"

Prof. Dr. Roger Schmidt
Auf Vorschlag des Fachbereichs Psychologie verlieh die Universität Dr. Roger Schmidt am 23. September 2013 den Titel eines Honorarprofessors. Der Ärztliche Leiter der Abteilung Psychotherapeutische Neurologie an den Kliniken Schmieder in Konstanz und Gailingen ist seit 1998 an der Lehre im Fach Klinische Neuropsychologie an der Universität Konstanz beteiligt.

Herr Professor Schmidt, Gratulation zur Auszeichnung - wofür wurde Ihnen die Ehrenprofessur verliehen?

Schmidt: Eine sachliche Antwort auf diese Frage steht natürlich anderen zu. Drei Dinge möchte ich aber dennoch gerne sagen: Erstens: Meine Auszeichnung ist eine Auszeichnung auch der vielen Weggefährten, die mich auf meinem Weg, persönlich wie beruflich begleitet und mal mehr zufällig, mal ganz zielstrebig unterstützt haben. Zweitens: Die persönlichen und beruflichen Lebenswirklichkeiten haben gepasst - erst in Köln, und dann, ganz besonders, in den Kliniken Schmieder, mit der speziellen klinischen Aufgabe und der Möglichkeit zur begleitenden Forschung im Rahmen des Lurija-Institutes, stets konstruktiven Kollegen und einem tollen Team. Und drittens: Die Beschäftigung mit den allgemein viel zu sehr vernachlässigten Erkrankungen im Grenz- und Übergangsbereich neurologischer und psychischer Störungen hat den Weg zu einem für Klinik wie Forschung hoch interessanten und anregenden Tätigkeitsfeld geöffnet.

Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie? 

Schmidt: Zunächst einmal und vor allem anderen eine große Ehre und Anerkennung, über die ich mich sehr freue und für die ich sehr dankbar bin. Und eine Verbesserung der Möglichkeiten, sich in Forschung und Lehre weiter zu engagieren.

Außerdem hat die Auszeichnung eine innere Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben in Gang gebracht, die noch lange nicht abgeschlossen ist. Es liegt in der Natur solcher Auszeichnungen, dass sie einen Rückblick anstoßen und im Nachhinein Vielem Sinn geben, das bis dahin wie ungeordnet im eigenen Leben stand. In den Worten, die Frau Prof. Rockstroh und Herr Prof. Dettmers bei der Ernennung durch Herrn Prof. Rüdiger zur Würdigung gesprochen haben, habe ich mich sehr wiedergefunden - was meinen beruflichen Werdegang, und auch, was meine Person betrifft. Selbst hätte ich mich zwar nicht als "Brückenbauer" bezeichnet. Aber es macht durchaus Sinn zu sagen, dass das Identifizieren von Unterschieden und Widersprüchen und die Suche nach einem gemeinsamen Dritten Teil meiner persönlichen Geschichte sind und meinen beruflichen Weg nachhaltig bestimmt haben. Da mich die Frage des Zusammenspiels von Körper, Leib und Seele seit der Schulzeit kontinuierlich beschäftigt hat, steckt in der Ernennung zum Honorarprofessor auch eine großartige Bestätigung und Ermunterung.

Inwiefern sind Sie universitär tätig?

Schmidt: Mein beruflicher Werdegang vor Eintritt in die Kliniken Schmieder ist im wesentlichen ein universitärer gewesen, mit einer langjährigen Tätigkeit in der Universitäts-Nervenklinik Köln, wo ich zuletzt Leitender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie war. Trotz deutlich veränderter Arbeitsschwerpunkte sind die Unterschiede der beruflichen Tätigkeit, die sich mit dem Wechsel nach Konstanz und später auch Gailingen ergeben haben, weitaus geringer als anzunehmen: Die Kliniken Schmieder sind eben nicht nur ein führendes neurologisches Fach- und Rehabilitationskrankenhaus, sondern eine besondere klinische Einrichtung, in der wissenschaftlicher Austausch, Lehre und Forschung - auch außerhalb meines speziellen Aufgabengebietes - von Anfang an und gewollt viel Aufmerksamkeit und Wertschätzung bekommen. Die Atmosphäre, so mein persönliches Erleben, war eigentlich immer schon universitär.

Hinzu kommt: Die Kontakte zur Universität Konstanz waren von Anfang an gut, seit 1998 habe ich im Rahmen eines Lehrauftrages "Psychologie in der Neurologie" wieder in der Lehre aktiv sein und die eine oder andere Qualifikationsarbeit betreuen dürfen. Hier werde ich in Zukunft mehr Aufgaben übernehmen können.

Und auch auf Ebene gemeinsamer Forschung gibt es seit Jahren gute Kontakte und gemeinsame Projekte - aktuell im Rahmen eines Forschungsprojektes zu den pseudoneurologischen Störungen (Frau Dr. Stemmer, Frau Prof. Dr. Rockstroh, Frau Fies) und eines Projektes zur heilsamen Wirkung von Natur (Frau Prof. Dr. B. Renner, Frau Kretschmann). Produktive Arbeitskontakte bestehen aber auch zu anderen Einrichtungen und Forschern, besonders den neurologischen Kliniken der Universitäten Magdeburg ( Prof. Dr. A. Schoenfeld) und Freiburg (Prof. Dr. C. Weiller).

Und schließlich: Mit der Gründung des Lurija-Institutes, der Schaffung einer internen Forschungsstruktur, der kontinuierlichen Supervision durch das Lurija-Kuratorium und der guten Kooperation mit mehreren Forschungsinstitutionen hat sich - dank nachhaltiger und zielgerichteter Unterstützung der Familie Schmieder - die wissenschaftliche Ausrichtung der Kliniken weiter differenziert und gefestigt, sodass die Kliniken Schmieder im Bereich der neurologischen Rehabilitationsmedizin inzwischen tatsächlich auch als - kleine, aber feine - Forschungseinrichtung gelten können.

Wie ergänzen sich Ihrer Meinung nach Universität und Klinik?

Schmidt: Universität und Kliniken ergänzen sich vorzüglich. In der Zusammenarbeit mit den Kliniken Schmieder erhält die Universität Konstanz einen direkten Zugang zur Medizin und zu medizinischen Fragestellungen - ein großer Gewinn für die Forschung, aber auch für die Lehre. Die Kliniken gewinnen insbesondere durch die Möglichkeit, die gewachsenen klinischen Erfahrungen und Kenntnisse wissenschaftlich zu überprüfen und fundiert weiter zu entwickeln. Über die einzelnen Forschungsvorhaben hinaus trägt die Zusammenarbeit mit universitärer Forschung und Lehre wesentlich zur Realisierung unseres Anspruches bei, stetig zu lernen und unsere Behandlungskompetenz kontinuierlich weiter zu verbessern - sei dies auf der Ebene des einzelnen Mitarbeiters, sei dies auf der Ebene der Kliniken insgesamt.

Bildergalerie: Verleihung der Honorarprofessur
Zur Verleihung der Ehrenprofessur an Prof. Dr. Roger Schmidt hatte sich ein großes Publikum eingefunden