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Im Gespräch mit Stefan Spiteri

"Hier wird Forschung auf einem sehr hohen und aktuellen Niveau betrieben"

„Spannend finde ich die Nähe zum Patienten und die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen“
Stefan Spiteri ist seit 2012 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lurija Institut in Allensbach. Der Psychologe forscht zu verschiedenen Themen u. a. zu kognitiver Fatigue bei Patienten, die an Multipler Sklerose leiden. Bei seinen Forschungsprojekten nutzt er die Elektroenzephalographie (EEG) sowie die Magnetresonanztomographie (MRT). Gerne möchte er auch sein Wissen an jüngere Wissenschaftler und Studenten zukünftig weitergeben, wobei ihm das Lurija Institut eine ideale Plattform bietet.

Wie sind Sie zum Lurija Institut gekommen?

Spiteri: Als ich an dem Universitätsklinikum in Freiburg meine Master-Arbeit anfertigte, informierte mich mein damaliger Vorgesetzter, dass das Lurija Institut der Kliniken Schmieder in Allensbach auf der Suche nach neuen wissenschaftlichen Mitarbeitern war. Er empfahl mir, mich auf die ausgeschriebene Promotionsstelle zu bewerben. Nach einem Vorstellungsgespräch und einer Einführung in die Klinik und in die Forschung, die hier betrieben wird, war mir schnell klar, dass dieses Modell gut zu mir passen würde. So bin ich zum Lurija Instut gekommen und freue mich hier mitwirken zu können und beim Gestalten der Rehabilitationsforschung behilflich zu sein.

Was finden Sie an der Arbeit im Lurija Institut besonders spannend?

Spiteri: Spannend finde ich vor allem die Nähe zum Patienten und die Möglichkeit, eng mit unterschiedlichen Berufsgruppen zu arbeiten. Die Forschungsfragen sind oft fachübergreifend und so arbeiten Ärzte, Psychologen, Sportwissenschaftler, Ergotherapeuten, Physio- und Sprachtherapeuten gemeinsam an Ideen und Forschungsfragen, die dem Patienten zugutekommen. Jeder betrachtet das Problem aus einer anderen Perspektive. Ebenso finde ich persönlich den Zugang zu modernen Hi-Tech Geräten wie dem 3 Tesla Magnet-Resonanz-Tomographen (MRT) oder dem Aktiven Elektroden Elektroenzephalograph (EEG) sehr vorteilhaft. So wird die Forschung auf einem sehr hohen und aktuellen Niveau betrieben. Besonders gerne arbeite ich mit dem MRT und erstelle funktionelle Bilder des Gehirns, welche zeigen, welche Areale vom Gehirn aktiv werden bei einer bestimmten Aufgabe.

Was sind Ihre Forschungsschwerpunkte?

Spiteri: Momentan habe ich das Glück an mehr als nur einem Projekt mitarbeiten zu dürfen, darunter Studien mit Sportwissenschaftlern zum Thema Gleichgewichtssinn, eine Studie zu somatoformen Erkrankungen, aber auch Studien zur Untersuchung der Hirnströme bei apallischen Patienten mittels EEG. Die Studie, in der ich jedoch schwerpunktmäßig eingebunden bin, untersucht mittels funktioneller MRT das Phänomen der  kognitiven Fatigue bei Patienten die an Multipler Sklerose (MS) leiden.

Was ist Fatigue?

Spiteri: Fatigue definiert man als den subjektiven Mangel an körperlicher und/oder geistiger Energie. Dieser Zustand wird von Patienten und auch Angehörigen als belastend im Alltag empfunden.

Also Müdigkeit?

Spiteri: Im wesentlichen Sinne des Wortes vielleicht schon, jedoch entwickelt die Fatigue eine weitaus größere Tragkraft. Manche Patienten beschreiben die Fatigue wie einen12-Stunden-Flug mit Jetlag und dazu noch eine Grippe. Das Symptom Fatigue ist eines der häufigsten bei der MS-Erkrankung (zwischen 70-90%). Für diese Patientengruppe ist es das am stärksten beeinträchtigende Symptom und der häufigste genannte Grund für eine Erwerbsunfähigkeit.

Woher kommt die Fatigue?

Spiteri: Die eigentliche Ursache der Fatigue bei MS ist noch umstritten. Neuste Hypothesen sehen die Fatigue als eine Art Reaktion unseres Gehirns auf Entzündungen im Körper, vergleichbar mit dem Gefühl der Erschöpfung bei einer Grippe. Andere Theorien besagen, dass die Fatigue aus zwei Komponenten besteht: die langanhaltende, dauerhafte „trait“ Fatigue und die momentane und durch Anstrengung provozierte „state“ Fatigue. Hier setzt unsere Studie an: Wir hoffen im Gehirn solche Areale aktiviert zu sehen, welche sinnbildlich für die „trait“ und die „state“ Fatigue stehen.

Welche Fortsetzung wünschen Sie sich für Ihre Forschungsprojekte?

Spiteri: Gerne würde ich in den nächsten Jahren weiter zu Fatigue forschen und die unterschiedlichen Aspekte dieses Phänomens gründlicher untersuchen. Dennoch möchte ich die Vielfalt der neurologischen Erkrankungen nicht außer Acht lassen und würde mich ebenso sehr freuen an anderen Projekten mitarbeiten zu können. Zusätzlich hoffe ich mein Wissen auch an jüngere Wissenschaftler und Studenten weitergeben zu können. Das Lurija Institut bietet mir hierfür eine sehr gute Plattform und ich hoffe in Zukunft weiterhin dort aktiv mitwirken zu können.

Studienorte und Studienfächer
2012: Psychologie (MSc), Universität Maastricht, Niederlande
2009: Psychologie, University of Pretoria, Südafrika

Bisherige und momentane Tätigkeiten
seit 2015: Psychologe in den Kliniken Schmieder Allensbach
seit 2012: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lurija Institut, Allensbach

    Kognitive Fatigue bei Patienten mit Multipler Sklerose
    EEG-Untersuchungen bei apallischen Patienten

    EEG und MRT Untersuchungen bei psychosomatischen Patienten

    MRT Messungen zur Erforschung des Gleichgewichtssinn

      Claros-Salinas D, Dittmer N, Neumann M, Sehle A, Spiteri S, Willmes K, Schoenfeld MA, Dettmers C. Induction of cognitive fatigue in MS patients through cognitive and physical load. Neuropsychol. Rehabil, 2013;23(2): 182-201.

        Bilder des Gehirns bei Aktivierung des Aufmerksamkeitsnetzwerks