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Lurija Lecture

Value-based Health Care und Patientennutzen

23.07.2015, Konstanz

Im Rahmen der Lurija Lecture am 23. Juli 2015 ging Dr. med. Jens Deerberg-Wittram, Präsident des International Consortium for Health Outcomes Measurement und Senior Fellow der Harvard Business School (USA) der Frage nach, wie vor dem Hintergrund weltweit steigender Kosten für Gesundheitsversorgung und dem Bestreben den Patienten-Nutzen von Interventionen zu messen und zu optimieren, eine in der deutschen Gesetzgebung ab 2016 geplante „Qualitätsorientierte Vergütung“ umgesetzt werden kann.

Steigende Kosten in den unterschiedlichen Gesundheitswesen der Welt und große Qualitätsunterschiede in der Versorgung haben den Ruf nach einer stärker qualitätsorientierten Versorgung laut werden lassen. Der Wunsch nach einem messbaren und besseren Patientennutzen (definiert als Ergebnisqualität pro eingesetztem Euro) bestimmt zunehmend die globale gesundheitspolitische Diskussion. Die wirtschafts-wissenschaftliche Forschung spricht in diesem Kontext von „Value-Based Health Care“.

Die aktuelle Gesetzgebung in Deutschland trägt diesem Trend Rechnung und fordert ab Ende 2016 die „Qualitätsorientierte Vergütung“. Wie diese politische Forderung aber konkret umgesetzt werden soll, ist heute noch unklar. Gerade bei chronisch kranken Patienten mit schwer prognostizierbaren Heilungsverläufen ist es oft unmöglich, zwischen Behandlungserfolg und glücklicher Fügung bzw. Fehlbehandlung und individuellem Pech zu unterscheiden.

Die Neurorehabilitation hat sich stärker als die meisten anderen Bereiche der Medizin schon früh mit der Frage von individuellen Therapiezielen und mit der Messbarkeit des therapeutischen Erfolges beschäftigt. Das regelmäßige Dokumentieren von Therapie-fortschritten und Ressourceneinsatz ist für Therapeuten, Pflegende und Ärzte in der Neurorehabilitation Tagesgeschäft. Dies ist ein positives Beispiel für die kritische Erfassung des Patientennutzens in der Medizin. Die stärkere Qualitätsorientierung im Gesundheitswesen kann für die Neurorehabilitation eine Chance sein, einmal mehr ihren besonderen Beitrag bei der Bewältigung der demographischen und sozialen Herausforderungen in den kommenden Jahren sichtbar zu machen.

Dr. Jens Deerberg-Wittram ist Arzt und hat über zehn Jahre als Krankenhausmanager und Geschäftsführer von Neurorehabilitionskliniken in Deutschland gearbeitet. Er war Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand des Bundesverbandes Neurorehabilitation (BNR e.V.). Dr. Deerberg-Wittram ist Gründungspräsident des International Consortium for Health Outcome Measurement (ICHOM) in Cambridge, USA. Als Mitglied der betriebswirtschaftlichen Fakultät der Harvard University und Senior Fellow am Institut für Strategie und Wettbewerb (Leitung Professor Michael Porter) unterrichtet er seit 2009 in Kursen zum Thema „Value-based Health Care“.

Die Lurija Lecture von Dr. Jens Deerberg-Wittram fand im Rahmen des Programms zur diesjährigen Kuratoriumssitzung des Lurija Instituts statt. Das Lurija Institut für Rehabilitationswissenschaften und Gesundheitsforschung ist ein durch die gemeinnützige Stiftung Schmieder für Wissenschaft und Forschung getragenes An-Institut der Universität Konstanz. Der Vorstand des Lurija Instituts möchte mit den Lurija Lectures den Austausch von Wissen und Erfahrung auf dem Gebiet der neurologischen Rehabilitationsforschung anregen und den Dialog zwischen wissenschaftlicher Forschung und klinischer Anwendung vertiefen.

Dr. med. Jens Deerberg-Wittram, Präsident des International Consortium for Health Outcomes Measurement und Senior Fellow der Harvard Business School (USA)

Dr. med. Jens Deerberg-Wittram, Präsident des International Consortium for Health Outcomes Measurement und Senior Fellow der Harvard Business School (USA)