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Lurija Lecture

Neuromodulation in der Rehabilitation

22.10.2015, Heidelberg

Dank moderner neurologischer Therapien überleben immer mehr Patienten einen Schlaganfall. In vielen Fällen persistieren aber Einbußen beispielsweise im sprachlichen oder motorischen Bereich. Die therapeutischen Möglichkeiten im chronischen Stadium, d.h. 6-12 Monate nach dem Schlaganfall, sind begrenzt. Durch intensives Training kann nur noch eine geringe Verbesserung erreicht werden. Einen möglichen Therapieansatz zur effektiven und messbaren Verbesserung sprachlicher Funktionen könnten die nicht-invasive Hirnstimulation (engl. non-invasive brain stimulation, NIBS) und die Pharmakotherapie darstellen.

In dem Vortrag „Neuromodulation in der motorischen und sprachlichen Rehabilitation“ wurden zunächst die Grundlagen der Verfahren dargestellt. Bei der Pharmakotherapie wurde u.a. der Einsatz von Piracetam, dopaminerger Substanzen, Amphetaminen, Memantine und Donepezil besprochen. Bei der NIBS lag der Schwerpunkt auf den Verfahren der transkraniellen Magnetstimulation (TMS) sowie der transkraniellen Gleichstromstimulation (engl.: transcranial direct current stimulation, tDCS).
 
Im Hauptteil erfolgte eine Übersicht über experimentelle Studien zu den genannten Substanzen bzw. Verfahren. Hier wurden jeweils zunächst die Verbesserung sprachlicher und motorischer Funktionen bei gesunden Probanden (soweit untersucht) und anschließend die Verbesserung von Defiziten bei Patienten dargestellt. Der Vortrag schloss mit einer Einordnung der bisherigen klinischen Wertigkeit der Verfahren und einem Ausblick auf mögliche Applikationen in der klinischen Routine.

Frau Prof. Dr. Flöel ist Neurologin an der Charité in Berlin, wo sie seit 2009 eine Professur für Pathophysiologie Cerebrovaskulärer Erkrankungen inne hat, sowie Professorin für Kognitive Neurologie, Klinisches Forschungszentrum des Exzellenzclusters NeuroCure der Charité. Frau Prof. Flöel leitete diverse Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen neurologischen Forschungsfeldern. Aktuell steht sie der AG Kognitive Neurologie an der Charité vor. Als Wissenschaftlerin war sie u.a. am Oxford Center for Functional MRI of the Brain, Oxford, UK und am National Institute of Health, Bethesda, MD, USA tätig. Neben der Tätigkeit an zahlreichen anderen Projekten war sie leitende Prüfärztin der multizentrischen Studie zur Wirksamkeit von Aphasietherapie FCET2EC. Sie ist Autorin zahlreicher Fachpublikationen und wurde für ihre Arbeiten auch mit Auszeichnungen und Preisen bedacht, unter anderem ist sie Preisträgerin des Kurt Kaufmann-Preises der Alzheimer Forschung Initiative e.V. (2014).

Eine Auswahl (englischsprachiger) Publikationen von Prof. Dr. Flöel finden Sie auf der Forschungsdatenbank-Website der Charité (Link).

Mit dem Vortrag von Frau Prof. Flöel fand erstmalig ein Lurija Lecture in den Kliniken Schmieder Heidelberg statt. Das Lurija Institut ist ein durch die gemeinnützige Stiftung Schmieder für Wissenschaft und Forschung getragenes An-Institut der Universität Konstanz. Der Vorstand des Lurija Instituts möchte mit den Lurija Lectures den Austausch von Wissen und Erfahrung auf dem Gebiet der neurologischen Rehabilitation anregen und den Dialog zwischen wissenschaftlicher Forschung und klinischer Anwendung vertiefen.

Für die Veranstaltung sind zwei Fortbildungspunkte der Landesärztekammer Baden-Württemberg genehmigt.

Ort: Kliniken Schmieder Heidelberg, Hörsaal N003
Zeit: Donnerstag, 22.10.2015, 16:00 Uhr bis 17:00 Uhr

Prof. Dr. med. Agnes Flöel

Prof. Dr. med. Agnes Flöel