»Jedes Mal, wenn ich ein Ziel erreicht hatte, wurde das nächste greifbarer.«

Patienten berichten

Elias Ludmann

»Jedes Mal, wenn ich ein Ziel erreicht hatte, wurde das nächste greifbarer.«

Polyneuropathie

Polyneuropathien sind Erkrankungen, die das periphere Nervensystem betreffen. Dabei erleiden Nerven außerhalb des zentralen Nervensystems – also außerhalb von Gehirn und Rückenmark – Schäden. Dies führt dazu, dass die Signalübertragung in den Nervenbahnen gestört ist, was sich in Form von Missempfindungen, Störungen der Wahrnehmung oder auch Schmerzen äußern kann. Es gibt über 300 bekannte Ursachen von Polyneuropathien; häufig sind Polyneuropathien die Folge einer bestehenden Grunderkrankung. Zu den häufigsten Auslösern gehören unter anderem ein fortgeschrittener Diabetes mellitus (diabetische Neuropathie) [~35%], vermehrter Alkoholkonsum [~20%], weiterhin Schilddrüsen- und Nierenerkrankungen, verschiedene Infektionskrankheiten, der Kontakt mit Schadstoffen (toxische Polyneuropathie) sowie Krebserkrankungen oder die damit verbundene Chemotherapie. Die Ursache von etwa 1/4 aller Polyneuropathien bleibt aber auch nach ausführlicher Abklärung ungeklärt. Da sowohl die Ursachen für Nervenschäden als auch die individuellen Symptome sehr unterschiedlich sein können, variieren die Schätzungen zur Häufigkeit erheblich. Nach groben Einschätzungen könnte eine von 2.000 Personen an einer Polyneuropathie leiden. Die Wahrscheinlichkeit, von dieser Erkrankung betroffen zu sein, steigt zudem mit zunehmendem Alter.

Im September 2023 war für Elias Ludmann plötzlich nichts mehr so, wie zuvor. Nach einer Operation fiel er ins Koma, lag über eineinhalb Tage bewusstlos im Bett und überlebte nur knapp. Schritt für Schritt kämpfte er sich zurück ins Leben, machte in der Rehabilitation große Fortschritte – und traf dort seine heutige Freundin. Heute blickt er dankbar nach vorn und verfolgt wieder seine Ziele.

Mein Leben hat sich von einem Moment auf den anderen verändert. Eigentlich wollte ich nur einen kurzen Mittagsschlaf machen – doch ich wachte nicht mehr auf. Ich fiel ins Koma. Das Ganze passierte infolge einer Operation, die ich wegen einer Vorerkrankung hinter mir hatte. Als meine Mutter zwei Tage lang nichts von mir hörte, meldete sich ihr mütterlicher Instinkt. Sie spürte einfach, dass etwas nicht stimmt, und rief den Krankenwagen. Damit rettete sie mir das Leben. Die Sanitäter fanden mich im Bett, wo ich bereits über eineinhalb Tage bewusstlos gelegen hatte. Im Krankenhaus kämpften die Ärztinnen und Ärzte um mein Leben. Ich hatte multiples Organversagen, meine Überlebenschance lag nur bei fünfzig Prozent. Für meine Mutter war diese Zeit ein Albtraum. Aber die Ärztinnen und Ärzte gaben nicht auf.

Langsam, Schritt für Schritt, kam ich zurück. Auf der Satellitenstation der Kliniken Schmieder im Klinikum Stuttgart zeigte sich meine erste Reaktion: ein leises Brummen. Einige Wochen später konnte ich die ersten Worte sagen – einfache Wörter wie „Oma“ oder „Opa“. Ab da begann mein Weg zurück ins Leben. Ärzte, Therapeuten, Freunde und Familie gaben mir Mut. Ohne ihre Unterstützung wäre ich niemals so weit gekommen. Als ich nach Gerlingen kam, begann für mich ein ganz neuer Abschnitt. Ich hatte mir in Stuttgart bereits eine Art neues Leben aufgebaut, und nun musste ich noch einmal bei Null anfangen. Zuerst hatte ich Angst vor der Veränderung, doch schon bald merkte ich, dass es auch hier wunderbare Menschen gibt: viele sympathische Therapeut:innen und Pfleger:innen. Dank ihnen konnte ich große Fortschritte machen. Besonders schwierig war zunächst die Beeinträchtigung meiner rechten Hand. Weil ich im Koma so lange darauf gelegen hatte, war sie stark geschädigt. Ich konnte sie nicht öffnen, nicht bewegen. Es fühlte sich an, als wäre sie verloren. Doch durch eine Operation und durch Therapie kam langsam Bewegung zurück. Heute kann ich sie fast wieder normal nutzen.

Meine Rehabilitation ist geprägt von vielen kleinen Etappen. Zuerst der Rollstuhl, dann der Rollator, später die Krücken. Mein Ziel jetzt ist es, wieder frei gehen zu können. Jeder dieser Schritte schien anfangs unmöglich. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich dachte: „Das werde ich nie schaffen.“ Doch jedes Mal, wenn ich ein Ziel erreicht hatte, wurde das nächste greifbarer. Dieser Prozess hat mir gezeigt, dass man niemals aufgeben darf.

Besonders wichtig war für mich, dass ich hier mit meiner Freundin zusammengekommen bin. Wir kannten uns schon vorher flüchtig, doch in den Kliniken Schmieder Gerlingen haben wir uns richtig kennengelernt. Sie beendete dort gerade ihr Freiwilliges Soziales Jahr, als ich die Reha anfing. In Zeiten, in denen ich mich schwach und hilflos gefühlt habe, hat sie mir Halt und neue Kraft gegeben. Das ist was Schönes. Ohne sie – und ohne meine Familie – wäre ich heute nicht da, wo ich bin. Heute kann ich an Krücken laufen, ich treffe Freunde, studiere und schaue nach vorn. Ich möchte mein Medieningenieur-Studium erfolgreich abschließen und mich eines Tages selbstständig machen.

Gerade bin ich zum zweiten Mal zur Reha in Gerlingen. Mein Rat an andere Patientinnen und Patienten lautet: Nicht zu viel nachdenken. Weder zurückschauen noch zu weit in die Zukunft blicken, sondern Schritt für Schritt machen, was gerade möglich ist. Es sind die kleinen Dinge, die zählen – jede Übung, jede Bewegung bringt einen weiter. Und sei es nur, beim Zähneputzen kurz frei zu stehen, oder die Treppe zu nehmen, statt den Aufzug. Ich weiß, dass ich großes Glück hatte. Ich hätte in einem Pflegeheim landen können, oder meine Mutter hätte mich vielleicht ein Leben lang pflegen müssen. Doch es kam anders. Dafür bin ich unendlich dankbar.