Lurija Lecture zu Bewusstsein und Gehirn

Consciousness and the brain

Lurija Lecture

Bewusstsein und Gehirn

Mitte Mai 2019 hielt Prof. Laureys eine Vorlesung im Otto Dix-Saal in Allensbach zum Thema "Bewusstsein und Gehirn". Er ist ein herausragender Fachmann zum Thema Koma und leitet die Coma Science Group an der Universität Lüttich, die europaweit führende Arbeitsgruppe zu diesem Thema. In seinem faszinierenden Vortrag spannte er einen weiten Bogen von der Definition des Koma, über neuere Forschungen bzgl. Bewusstseinsveränderungen bis hin zu aktueller Diagnostik bei Wachkomapatienten. Auch wenn es bislang keine einheitliche Definition von Bewusstsein gibt, können doch Untersuchungen von veränderten Bewusstseinszuständen wie in der Narkose, der Hypnose, des Schlafs und Schlafwandelns sowie auch während der Meditation helfen, das Phänomen des Bewusstseins besser zu verstehen.

Prof. Laureys wies darauf hin, dass die Einschätzung von Wachkomapatienten weiterhin schwierig ist: selbst langjährig erfahrene ärztliche oder therapeutische Mitarbeiter täuschen sich in bis zu 40 % der Fälle in der Frage, ob bei einem Wachkomapatienten ein Minimalbewusstsein vorliegt oder nicht. Größere Aufmerksamkeit erreichte diese Frage bereits 2006, als bei einem als Patienten ohne erkennbare Bewusstseinsfunktionen mittels funktioneller MRT nachgewiesen wurde, dass Sprache verstanden wurde und für den Patienten sogar Bewegungen wie Tennisspielen vorstellbar waren. Dies zeigt die dringende Notwendigkeit einer besseren Diagnostik sowohl zum Grad der Bewusstseinsstörung als auch im Hinblick auf die Prognose. Mitglieder der Coma Science Group unter der Leitung von Prof. Laureys konnten 2015 nachweisen, dass durch funktionelle MRT im Einzelfall entschieden werden konnte, ob ein Minimalbewusstsein vorliegt oder nicht.

Auch in den Kliniken Schmieder liegt diesbezüglich eine langjährige Expertise vor: Dr. Inga Steppacher (damals Lurija Institut) und Dr. Michael Kaps (Stellvertretende Leitung Neurorehabilitation Allensbach) konnten 2013 in einer hochrangigen Publikation mit langjährigen Daten aufzeigen, dass durch die Ableitung sog. ereigniskorrelierter Potentiale (EKP) im Einzelfall eine Aussage zur Prognose möglich ist. Diese EKP und funktionelles MRT werden schon jetzt bei ausgewählten Wachkomapatienten in Allensbach durchgeführt.

Im Anschluss an die Vorlesung wurde mit Prof. Laureys eine wissenschaftliche Kooperation zum weiteren Datenaustausch und im Hinblick auf eine Verbesserung der Diagnostik bei Wachkomapatienten vereinbart.

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