Virtual Reality in der Schmerztherapie
Schmerzen sind ein häufiges Begleitsymptom in der Neurorehabilitation. Sie können erhebliches Leiden verursachen, die Lebensqualität einschränken und den Rehabilitationserfolg beeinträchtigen. In den Kliniken Schmieder werden Schmerzen daher im Rahmen eines interdisziplinären und multimodalen Behandlungskonzepts behandelt. Dieses umfasst medizinisch-ärztliche, pflegerische, therapeutische, neuropsychologische und neurotherapeutische Maßnahmen. Ergänzend kommen auch neue Behandlungsansätze wie VR-assistierte Therapien zum Einsatz.
Nach aktuellen Studiendaten leiden etwa 33 Prozent aller Schlaganfallpatient:innen unter Schmerzen, rund ein Drittel davon an neuropathischen Schmerzen. Diese entstehen durch Schädigungen oder Fehlfunktionen des Nervensystems und treten in der Neurorehabilitation besonders häufig auf, etwa bei Polyneuropathien, Multipler Sklerose, Parkinsonkrankheit oder nach einem Schlaganfall. Zusätzlich können muskuloskelettale Schmerzen auftreten, beispielsweise durch degenerative Vorerkrankungen oder Fehlbelastungen infolge von Lähmungen. Auch psychische Begleiterkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen können mit Schmerzzuständen einhergehen. Eine gezielte Schmerzbehandlung ist daher ein zentraler Bestandteil der neurorehabilitativen Versorgung.
Aktute und Chronische Schmerzen
Schmerz ist ein komplexer Wahrnehmungsprozess, der von biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren beeinflusst wird. Das individuelle Schmerzempfinden kann dabei stark variieren und steht nicht immer in direktem Verhältnis zur körperlichen Schädigung. Akute Schmerzen sollten rasch diagnostisch abgeklärt und medikamentös behandelt werden. Von chronischen Schmerzen spricht man, wenn diese länger als drei Monate anhalten oder wiederkehren. Die dann vorliegende Schmerzkrankheit benötigt in der Regel eine multimodale Behandlung mit interdisziplinärem Konzept. Begleiterkrankungen wie Schlafstörungen, Depressionen oder Angst können die Schmerzkrankheit verstärken und den Rehabilitationserfolg zusätzlich beeinträchtigen.
Therapieziele und multimodale Behandlung
Die Auswahl geeigneter Therapieformen richtet sich nach Art, Dauer und Ursache der Schmerzen sowie nach bestehenden Begleiterkrankungen. Ein wichtiger Bestandteil des Schmerzmanagements ist die Definition realistischer Therapieziele. Bei chronischen Schmerzsyndromen steht nicht die vollständige Schmerzfreiheit im Vordergrund, sondern funktionelle Ziele, etwa die Bewältigung bestimmter Aktivitäten trotz Schmerzen, eine Verbesserung der Schlafqualität oder der Erhalt sozialer Teilhabe.
Psychologische Therapieverfahren sind ein fester Bestandteil der multimodalen Rehabilitation. Dazu zählen unter anderem Maßnahmen zur Krankheitsbewältigung und -akzeptanz, Entspannungsverfahren sowie verhaltenstherapeutische Ansätze. Ergänzend kommen Physio- und Ergotherapie zum Einsatz, die auf die Verbesserung von Beweglichkeit, Kraft, Koordination und Ausdauer abzielen. Auch physikalische Therapien wie Massagen sowie Hydro- oder Elektrotherapie werden eingesetzt. Pflegekräfte nehmen dabei eine zentrale Rolle ein, da sie häufig erste Ansprechpartner:innen für Patient:innen mit Schmerzen sind.
Virtual Reality als ergänzende Therapieoption
Der Einsatz von Virtual Reality (VR) in der Schmerztherapie stellt eine innovative Ergänzung bestehender Behandlungsansätze dar und findet zunehmend klinische Anwendung. VR ersetzt reale Sinneseindrücke durch computergenerierte Umgebungen. Zentrale Merkmale sind Immersion, Präsenz und Interaktivität. Immersion beschreibt das Ausmaß des Eintauchens in die virtuelle Umgebung, Präsenz das subjektive Gefühl, sich tatsächlich in dieser Umgebung zu befinden. Interaktive Elemente können dieses Erleben zusätzlich verstärken.
VR-Anwendungen werden sowohl immersiv als auch nicht-immersiv eingesetzt. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und reichen von der diagnostischen Erfassung von Symptomen über den ergänzenden Einsatz bei akuten und chronischen Schmerzen, etwa durch Ablenkung oder Entspannungsübungen, bis hin zur Unterstützung von Ergo- und Physiotherapie oder zur Reduktion von Bewegungsangst. Die schmerzlindernde Wirkung bei akuten Schmerzen gilt als gesichert. Bei chronischen Schmerzen kann VR während der Anwendung zu einer Reduktion der Schmerzen beitragen, langfristige Effekte über den unmittelbaren Einsatz hinaus sind jedoch nur gering ausgeprägt.
Einen ausführlichen Bericht zum Schmerzmanagement in der Neurorehabilitation bei den Kliniken Schmieder lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von "Neurologie & Rehabilitation ab S. 287.