Die Anfänge in Gailingen

Die 1950er Jahre

Neurologische Rehabilitation in Deutschland

Am 1. November 1950 eröffnete Friedrich Schmieder das „Sanatorium Schloss Rheinburg“ am Rande von Gailingen am Hochrhein mit 20 Betten. Bereits 1953 wurde die Rheinburg „Vertragskuranstalt für Hirnverletzte, Nervengeschädigte und süchtige Kriegsverletzte“ laut Vertrag mit dem Bundesarbeitsministerium und der Landesversorgungsanstalt. Der wachsende Bedarf von Behandlungsplätzen ließ die Klinik stetig wachsen. So gab es eine große Zahl von hirngeschädigten Kriegsverletzten, die Verkehrsunfallopfer nahmen mit der Motorisierung im wirtschaftlich aufblühenden Nachkriegsdeutschland zu und die Fortschritte in der Unfallversorgung hatten ebenfalls Anteil an dieser Entwicklung. Im Jahr 1954 hatte die Klinik bereits 115 Betten, 1956 waren es bereits 150. Professor Schmieders ganzheitlicher Ansatz sah damals bereits die soziale und berufliche Wiedereingliederung der Patienten vor.

Zitat

Prof. Friedrich Schmieder (1911-1988)

„Die große Chance für die Rehabilitation von Hirnverletzten basiert auf dem Umstand, dass das Gehirn ein hohes Maß von Kompensations- und Ersatzfähigkeiten besitzt."

Die Anzahl der zu betreuenden Kriegs- und später auch Unfallverletzten war riesig. Der Glaube in Fachkreisen, was die Rehabilitation dieser Patientengruppen betraf, war skeptisch, zurückhaltend, wenn nicht resigniert. Gegen diese Widerstände setzte sich Prof. Schmieder vehement und ausdauernd für die Rehabilitation am Gehirn erkrankter Menschen ein. Er wollte nicht nur demonstrieren, dass die Behandlung von Hirnschädigungen möglich und langfristig erfolgreich ist. Er wollte überzeugen. Aufbauend auf Erfahrungen mit hirnverletzten Soldaten entwickelte er ein ganzheitliches Therapiekonzept, das zur Grundlage der Arbeit in den Kliniken wurde. Seine Annahme war, dass durch fachgerechte und intensive Behandlung auch lange Zeit nach einer Schädigung des Gehirns Verbesserungen gestörter Leistungen möglich sind. Eine Annahme, die heute die Hirnforschung beweisen kann. In einer unermüdlichen Vortrags- und Publikationstätigkeit versuchte er in den ersten Jahren die Öffentlichkeit von der Sinnhaftigkeit und gesundheitspolitischen Notwendigkeit neurologischer Rehabilitation zu überzeugen. Die Grundzüge seines ganzheitlichen Therapiekonzepts legte er bereits 1956 dem Bundesminister für Arbeit in einer Denkschrift vor. Darin erklärt er sein neuartiges Konzept: Ziel der Neurologischen Rehabilitation sei die Wiederherstellung bzw. Besserung der gestörten körperlichen, geistigen und seelischen Funktionen des Nervensystems zur Erlangung eines möglichst hohen Maßes an Selbständigkeit und Teilhabe sowohl im häuslich-privaten als auch im beruflichen und gesellschaftlichen Bereich. Im Zentrum der Neurologischen Rehabilitation stehe der Mensch, der durch eine Schädigung seines Gehirns im Kern seines menschlichen Daseins getroffen und in seiner Lebensführung mit seiner Familie zutiefst erschüttert wird. – Ein Konzept, das heute noch Bestand hat.

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