Wohnortnahe Rehabilitation

Die 1990er Jahre

Wohnortnahe Rehabilitation im Großraum Stuttgart

Die neunziger Jahre waren geprägt von der Maxime der wohnortnahen Rehabilitation. Das bedeutete, dass Standorte in den baden-württembergischen Ballungsgebieten entstanden, um dort Patienten lange Anreisen zu ersparen und eine Rehabilitation im gewohnten sozialen Umfeld zu ermöglichen. So eröffneten die Kliniken Schmieder 1992 ihren Standort in Konstanz, 1995 in Kooperation mit dem Sozialministerium Baden-Württemberg das einmalige Projekt einer Tagesklinik im Stuttgarter Zentrum und 1998 kam der Standort Stuttgart-Gerlingen hinzu.

Am 12. Mai 1997 gründeten die Gemeinnützige Stiftung Schmieder für Wissenschaft und Forschung und die Universität Konstanz das Lurija Institut für Rehabilitationswissenschaften und Gesundheitsforschung an der Universität Konstanz. Die innovative Bedeutung dieser Kooperation wurde durch die Teilnahme des damaligen Wissenschaftsministers von Baden-Württemberg Klaus von Trotha an der Gründungsveranstaltung dokumentiert. Bereits vor der Institutsgründung gabes gemeinsame Forschungsprojekte. Seit den 1970er Jahren arbeiteten Prof. Rudolf Cohen, damals Professor für Klinische Psychologie an der jungen Konstanzer Universität, und Prof. Friedrich Schmieder eng zusammen. Es entstanden Dissertationen und Diplomarbeiten und sie führten gemeinsame Kolloquien durch. Inzwischen gibt es viele weitere Forschungsprojekte mit den Neurologischen Universitätskliniken in Freiburg, Tübingen, Mannheim, Heidelberg, Aachen und Magdeburg.

Forschung

Innovation

Alexander Romanowitsch Lurija: Namensgeber des Lurija Instituts

Der Name des Lurija Institutes ehrt das Werk von Alexander Romano­witsch Lurija (1902 bis 1977), einem der Mitbegründer der Neuropsychologie, Neurolingu­istik und Neurologischen Reha­bilitation. Seine Theorien der Plastizität des Gehirns und seine Verfahren zur Untersuchung und Rehabilitation von hirngeschädigten Menschen sind grundlegend für viele Behandlungsverfahren zur Rehabilitation einzel­ner Hirnfunktionen. Der 1902 in Kasan geborene Lurija studierte zunächst Sozialwissenschaften, bevor er sich 1920 der Psychologie zuwandte. Als Psychologieprofessor beschäftigte er sich in den dreißiger Jahren mit Zwillingsforschung sowie Unter­suchungen über Denken und Sprechen. Parallel zu dieser Forschungstätigkeit nahm er das Studium der Medizin auf, das er 1937 abschloss. Er behandelte im Zweiten Weltkrieg als Sanitätsoffizier hirnverletzte Soldaten an einer Neurochirurgischen Klinik im Ural. Dort entstand die Basis der Neuropsychologie und Neurolinguistik, die er als Arzt am Institut für Neu­rochirurgie in Moskau in den 50er und 60er Jahren begründete. 1950 wurde er aus ideo­logischen Gründen von seinem Posten entfernt und konnte erst später wieder seine Forschungen offiziell fortführen. Er starb 1977. Seine Arbeiten fan­den in der ganzen Welt, besonders in den USA, große Beachtung und sind in der Fachliteratur bis heute von grundlegender Bedeutung.

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